Was bedeutet das? Vor allem eines: Der Gesetzgeber zweifelt daran, dass die alte Grenze zwischen „kreativ“ und „nicht kreativ“ noch zeitgemäß ist. Der Blick durch den Sucher, die Wahl des Moments, die Technik, die Nachbearbeitung – all das ist heute Teil eines kreativen Prozesses. Und wer einmal gesehen hat, wie viel Können in professioneller Fotografie steckt, wird sich fragen, warum nur ein Teil davon urheberrechtlich als „Werk“ gelten soll.
Harald Wisthaler, Obmann der Fotograf/innen und Filmemacher/innen im lvh, bringt diesen Wandel auf den Punkt: „In einer Zeit, in der Bilder massenhaft entstehen, wird oft übersehen, wie viel Handwerk und Erfahrung hinter professioneller Fotografie stehen. Der verlängerte Schutz ist ein klares Signal: Unsere Arbeit hat Wert – und verdient langfristige Anerkennung.“
Die neue Regelung kippt diese Logik nicht völlig, aber sie streckt sie. Sie anerkennt den Wert einer Fotografie auch dann, wenn das Kreative nicht offiziell bestätigt ist. Sie stärkt den wirtschaftlichen Schutz der Fotografinnen und Fotografen – von der Reproduktion über die Verbreitung bis zur kommerziellen Nutzung – und sie verschiebt das Gleichgewicht ein Stück weit zu ihren Gunsten.
Dass diese Änderung nicht zufällig kommt, zeigt ein Blick hinter die Kulissen: Confartigianato Fotografi war im Mai 2025 vor der Kulturkommission der Abgeordnetenkammer angehört worden. Der laufende Gesetzesvorschlag DDL 2224 geht sogar noch weiter: Er will den Fotografen, bzw. die Fotografin als Autor/in konsequent stärken, den kreativen Prozess als Einheit betrachten und die Unterscheidung in einfache vs. kreative Fotografie überwinden.
Die jetzige Reform ist also weniger Abschluss als Auftakt. Ein Schritt auf einem Weg, an dessen Ende eine Idee steht, die lange selbstverständlich war – bis die digitale Bilderflut sie uns hat vergessen lassen: Jedes Bild hat eine/n Urheber/in. Und jedes Bild hat einen Wert.

