Mittwoch, 10. September 2025

„Aufgefangen vom Netz“: Der Weg zum landesweiten Suizidpräventionsplan

In Südtirol sterben mehr Menschen durch Suizid als im Straßenverkehr. Zukünftig soll erstere Zahl sinken – auch mit Hilfe eines landesweiten Suizidpräventionsplanes. Zum Welttag der Suizidprävention hat das Netzwerk im Pastoralzentrum Bozen den Entwurf vorgestellt.

Landesrat Hubert Messner, Caritas Direktorin Beatrix Mairhofer und Landesrätin Rosmarie Pamer (v.l.n.r) besuchten die Fachtagung in Bozen. - Foto: © Caritas


Das Netzwerk für Suizidprävention lud Fachkräfte, öffentliche Einrichtungen und interessierte Bürgerinnen und Bürger zu seiner alljährlichen Fachtagung ein, die heuer vor allem eine Arbeitstagung war. In vier interaktiven Workshops wurde der Entwurf des Suizidpräventionsplanes, der in den vergangenen Monaten von einem interdisziplinären Team erarbeitet wurde, diskutiert und weiterentwickelt.

Gezielte Sensibilisierungsmaßnahmen

Der Entwurf sieht unter anderem vor, durch gezielte Sensibilisierungsmaßnahmen verschiedene Bevölkerungsgruppen zu erreichen, etwa durch künstlerische oder informative Veranstaltungen.

Suizid ist nach wie vor ein Tabuthema. Auch Südtirol ist keine selige Insel – wir müssen handeln. Genau darum geht es im landesweiten Suizidpräventionsplan.
Hubert Messner, Landesrat für Gesundheit und Gesundheitsvorsorge


Ebenso sollen Schlüsselpersonen wie Ärztinnen und Ärzte, Lehrkräfte und Sozialarbeiter geschult werden, um Warnsignale frühzeitig zu erkennen. Ein weiterer zentraler Bestandteil ist die Vermittlung von Kenntnissen für die psychische Ersthilfe, die allen Menschen offensteht, die in akuten Krisensituationen rasche Unterstützung bieten wollen.


9 Aktionsfelder umfasst der Plan.


Darüber hinaus sind spezielle Hilfsmittel und Begleitangebote für Fachkräfte und Ehrenamtliche vorgesehen, die in der Prävention, Betreuung oder Trauerbegleitung tätig sind.

Bündelung von Maßnahmen im Fokus

„Um Suizid wirksam zu begegnen, setzen wir auf eine stärkere Vernetzung, auch mit Polizei, Sportvereinen, Bildungseinrichtungen und Betrieben. So entsteht ein ganzheitlicher Ansatz“, erklärt Guido Osthoff, Caritas-Vertreter im Netzwerk und Moderator der Tagung.

Die Veranstalter betonten, dass die Tagung keinen Abschluss darstellt, sondern einen weiteren Schritt in einem vor ein paar Jahren begonnenen Prozess. Der Planentwurf orientiert sich an erprobten Modellen und bewährten Praktiken und soll konkrete Maßnahmen zur Vermeidung von Suiziden systematisch bündeln, so wie es in anderen Regionen bereits geschieht.

Artikelreihe „Leben stärken – Wege aus der Krise“

In der STOL/„Dolomiten Artikelreihe „Leben stärken– Wege aus der Krise“ berichten wir ausführlich über das Thema Suizid. Lesen Sie hier über Soforthilfe, Anlaufstellen und Warnsignale, über das Leben mit Schulden und Armut und das Interview mit dem Suizidpräventionsexperten Dr. Thomas Kapitany.

stol

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