Samstag, 24. Januar 2026

Bauernbund schlägt Alarm: Mittlerweile rund 600 invasive Arten in Italien

Was Bäuerinnen und Bauern seit Jahren aus der Praxis berichten, wird nun auch durch aktuelle Zahlen des nationalen Instituts für Umweltschutz und Forschung (ISPRA) bestätigt: Die Bedrohung durch gebietsfremde, invasive Arten nimmt rasant zu – mit gravierenden Folgen für Landwirtschaft, Umwelt und Biodiversität. Gefordert sind ein koordiniertes Vorgehen, konsequente Prävention, eine funktionierende Früherkennung sowie ein wirksamer Pflanzenschutz.

Während in den 1970er-Jahren jährlich lediglich sechs neue Arten eingeschleppt wurden, sind es heute rund 25. Im Bild: Die invasive Marmorierte Baumwanze. - Foto: © Shutterstock / shutterstock

Der kürzlich veröffentlichte technische Bericht von ISPRA verdeutlicht den zunehmenden Schädlingsdruck eindrücklich. „In Italien sind mittlerweile rund 3.800 gebietsfremde Arten erfasst. Etwa 600 davon gelten als invasiv, das heißt, sie breiten sich stark aus und verursachen nachweislich große Schäden in der Landwirtschaft und an der Biodiversität“, betont Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser in einer Aussendung.

Während in den 1970er-Jahren jährlich lediglich sechs neue Arten eingeschleppt wurden, sind es heute rund 25. Hauptursachen für diese Entwicklung sind der Klimawandel sowie der zunehmende internationale Waren- und Personenverkehr im Zuge der Globalisierung.

„Es braucht entschlossenes und abgestimmtes Handeln aller Beteiligten“

Um die Schäden möglichst zu begrenzen, braucht es entschlossenes und abgestimmtes Handeln aller Beteiligten. „Landwirtschaft, Beratung, Behörden und Forschung müssen eng zusammenarbeiten. Entscheidend sind rasche Meldungen, eine funktionierende Früherkennung und klare Zuständigkeiten“, unterstreicht Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner. Mit dem Versuchszentrum Laimburg und der Freien Universität Bozen verfüge Südtirol über zwei exzellente Forschungseinrichtungen. „Ebenso zentral ist die Prävention – sie ist deutlich wirksamer und kostengünstiger als eine spätere Bekämpfung.“

Die Erfahrung mit invasiven Arten zeigt jedoch auch, dass sich ihre Ausbreitung nicht immer verhindern lässt. „Deshalb wird es künftig einen effizienten Pflanzenschutz brauchen. Bäuerinnen und Bauern müssen über ausreichend geeignete Mittel verfügen, um ihre Kulturen zu schützen und die Ernährungssicherheit zu gewährleisten“, so Gasser. In den vergangenen Jahren sei die Zahl verfügbarer Wirkstoffe stetig gesunken. „Diese Entwicklung muss dringend korrigiert werden.“

Invasive Arten: Experten schätzen jährliche Schäden auf über 116 Milliarden Euro

Die wirtschaftlichen Schäden durch invasive Arten sind bereits heute enorm. „Expertinnen und Experten schätzen die jährlichen Schäden in Europa – inklusive Landwirtschaft – auf über 116 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2008 lagen sie noch bei rund 20 Milliarden Euro. Das zeigt die dramatische Zunahme des Schädlingsdrucks“, erklärt Rinner.

Ein besonders bekanntes Beispiel ist die Marmorierte Baumwanze, die allein in Norditalien innerhalb eines Jahres Schäden von rund 350 Millionen Euro verursacht hat. Doch nicht nur die landwirtschaftliche Produktion ist betroffen. Auch die Biodiversität steht massiv unter Druck. „Schätzungen zufolge sind über 600 heimische Arten durch gebietsfremde Organismen bedroht, einige sind bereits verschwunden“, warnt Rinner.

Eine große Gefahr für Bestäuber stellt etwa die Asiatische Hornisse dar, während der Japankäfer aufgrund seiner raschen Vermehrung und seiner Gefräßigkeit Schäden an mehr als 400 Nutz- und Zierpflanzen verursachen kann – mit entsprechend hohen wirtschaftlichen Verlusten. „Angesichts dieser Entwicklungen dürfen wir keine Zeit mehr verlieren“, so das Fazit. „Der Schutz von Landwirtschaft, Biodiversität und Ernährungssicherheit erfordert jetzt entschlossenes, koordiniertes Handeln.“

stol

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