Sonntag, 12. April 2026

Die Profitmaschine hinter dem Hass

Social Media, soziale Medien – schon der Name ist ein Euphemismus. Denn sozial ist an diesen Medien wenig. Ein Kommentar von „Dolomiten“- Chef-vom-Dienst Klaus Innerhofer.

„Was da täglich gepöbelt und gehetzt, falsch informiert und manipuliert wird, geht auf keine Kuhhaut, aber auf den Handybildschirm“, schreibt Klaus Innerhofer.

Der Begriff leitet sich wohl von „Socializing“ ab, was so viel bedeutet wie Kontakt aufnehmen mit anderen Menschen, Beziehungen aufbauen. Die Interaktivität ist ja auch das Schöne, und ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich Facebook vor 20 Jahren dafür gefeiert hatte, da es von nun an möglich war, sich mit Menschen in aller Welt auszutauschen – eine grandiose Idee.

Doch von dieser Euphorie ist wenig geblieben. Sicher, wir alle haben uns an die diversen Kanäle gewöhnt und nutzen sie täglich mehr oder weniger stark. Die einen lassen sich auf TikTok, Instagram oder – die Älteren – auf Facebook mit lustigen Fotos oder Clips berieseln, die anderen sehen sich auf Youtube die Zusammenfassung des Fußballspiels vom Vortag an. Und wieder andere nutzen die Netzwerke für politische Beteiligung, gesellschaftliche Debatten, den schnellen Informationsaustausch oder für ihre berufliche Vernetzung.

Doch auf der Waage der Vor- und Nachteile wiegen die negativen Aspekte nicht weniger schwer: Verbreitung von Fake News, Beleidigungen, Hassreden, Cybermobbing, Suchtgefahr, Druck durch Selbstdarstellung und Vergleich mit anderen, Manipulation durch Algorithmen … Die Liste ließe sich fortführen.

Der Blick auf meinen Facebook-Newsfeed bestätigt dieses Bild: Was da täglich gepöbelt und gehetzt, falsch informiert und manipuliert wird, geht auf keine Kuhhaut, aber auf den Handybildschirm. Wenn diese total destruktiv gepolten Leute, die mir immer wieder als „lesenswert“ angezeigt werden, in Südtirol das Sagen hätten, dann stünde das Land tatsächlich mit einem Fuß am Abgrund.

Was ist zu tun? Ein Social-Media-Verbot für Jugendliche mag ein erster Schritt sein, wenngleich ich fürchte, dass die großen Konzerne bei der Altersverifizierung ähnlich lasch agieren wie bei allen anderen regulatorischen Maßnahmen. Doch erstens sind weniger die Jugendlichen als die Erwachsenen das Problem. Und zweitens liegt genau in dieser Untätigkeit die Crux.

Denn die Schritte für „bessere Netzwerke“ sind bekannt: gesetzliche Pflicht für Plattformen, strafbare Inhalte zu löschen, Offenlegung der Algorithmen, um Manipulation besser zu erkennen, strengere Regeln für politische Werbung, Pflicht zur Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten, Verbot automatisierter Fake-Accounts, schärferer Jugendschutz. Bloß gegen die Umsetzung dieser Regeln wehren sich die Megakonzerne mit Händen und Füßen, mal offen, mal versteckt. Denn, um ein bekanntes Zitat des früheren US-Präsidenten Bill Clinton abzuwandeln: „It’s the money, stupid!“ – Es geht ums Geld.

klaus.innerhofer@athesia.it

ki

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