Doch von dieser Euphorie ist wenig geblieben. Sicher, wir alle haben uns an die diversen Kanäle gewöhnt und nutzen sie täglich mehr oder weniger stark. Die einen lassen sich auf TikTok, Instagram oder – die Älteren – auf Facebook mit lustigen Fotos oder Clips berieseln, die anderen sehen sich auf Youtube die Zusammenfassung des Fußballspiels vom Vortag an. Und wieder andere nutzen die Netzwerke für politische Beteiligung, gesellschaftliche Debatten, den schnellen Informationsaustausch oder für ihre berufliche Vernetzung.
Doch auf der Waage der Vor- und Nachteile wiegen die negativen Aspekte nicht weniger schwer: Verbreitung von Fake News, Beleidigungen, Hassreden, Cybermobbing, Suchtgefahr, Druck durch Selbstdarstellung und Vergleich mit anderen, Manipulation durch Algorithmen … Die Liste ließe sich fortführen.
Der Blick auf meinen Facebook-Newsfeed bestätigt dieses Bild: Was da täglich gepöbelt und gehetzt, falsch informiert und manipuliert wird, geht auf keine Kuhhaut, aber auf den Handybildschirm. Wenn diese total destruktiv gepolten Leute, die mir immer wieder als „lesenswert“ angezeigt werden, in Südtirol das Sagen hätten, dann stünde das Land tatsächlich mit einem Fuß am Abgrund.
Was ist zu tun? Ein Social-Media-Verbot für Jugendliche mag ein erster Schritt sein, wenngleich ich fürchte, dass die großen Konzerne bei der Altersverifizierung ähnlich lasch agieren wie bei allen anderen regulatorischen Maßnahmen. Doch erstens sind weniger die Jugendlichen als die Erwachsenen das Problem. Und zweitens liegt genau in dieser Untätigkeit die Crux.
Denn die Schritte für „bessere Netzwerke“ sind bekannt: gesetzliche Pflicht für Plattformen, strafbare Inhalte zu löschen, Offenlegung der Algorithmen, um Manipulation besser zu erkennen, strengere Regeln für politische Werbung, Pflicht zur Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten, Verbot automatisierter Fake-Accounts, schärferer Jugendschutz. Bloß gegen die Umsetzung dieser Regeln wehren sich die Megakonzerne mit Händen und Füßen, mal offen, mal versteckt. Denn, um ein bekanntes Zitat des früheren US-Präsidenten Bill Clinton abzuwandeln: „It’s the money, stupid!“ – Es geht ums Geld.
klaus.innerhofer@athesia.it

