Cecilia Bonaccorsi, Mutter des 27-jährigen Tommaso Pimpinelli, der eine geistige Behinderung hat, machte den Vorfall öffentlich. Während ihres Aufenthalts im Hotel Colbricon in San Martino di Castrozza im Trentino war die Familie aufgefordert worden, den Speisesaal zu verlassen und in einer kleinen Nebenstube zu essen.
„Wir sind gegangen, und sie haben nichts getan, um uns aufzuhalten“, berichtete Bonaccorsi gegenüber der Tageszeitung „l'Adige“ später. Auch nach einer kurzen Entschuldigung per E-Mail habe sich das Hotel nicht mehr gemeldet.
Einigung vor Gericht
Die Familie wandte sich daraufhin an das Zivilgericht in Rom. Sie forderte keinen finanziellen Schadenersatz, sondern lediglich einen symbolischen Euro und die Verlesung des Urteils. Ziel sei es gewesen, „das Recht von Menschen mit Behinderung auf einen normalen Urlaub, in dem sie nicht ausgegrenzt werden, zu bekräftigen“, so äußerte der Anwalt der Familie gegenüber der Tageszeitung.Auf Anraten des Richters einigten sich beide Parteien auf eine alternative Lösung: Die Betreiber des Hotels sollten einen von der Familie vorgeschlagenen Kurs besuchen, der Grundlagen einer respektvollen, inklusiven Betreuung von Gästen mit Behinderung vermittelt. Diese Schulung fand bei der Trientiner Genossenschaft Handicrea statt, die seit 30 Jahren im Bereich Inklusion tätig ist.
Wie das Gericht bestätigte, wurde der Kurs vollständig abgeschlossen. „Ich hoffe, dass der Samen, den wir gesät haben, aufgehen kann“, sagt Cecilia Bonaccorsi heute. Wichtig sei ihr vor allem, dass andere Familien künftig nicht ähnliche Erfahrungen machen müssten.
Hotel spricht von Missverständnis
Das Hotel Colbricon erklärte bereits kurz nach dem Vorfall, es habe sich um ein Missverständnis gehandelt. Man habe auf Beschwerden anderer Gäste reagieren wollen und der Familie daher einen „intimen Raum“ anbieten wollen, in dem Tommaso „größtmögliche Diskretion“ gehabt hätte. „Es war nicht unsere Absicht, jemanden zu verletzen“, hieß es damals laut „Adige“ in einer Stellungnahme.Trotz der gerichtlichen Einigung zieht es die Familie vorerst nicht nach San Martino zurück. „Wir wären nur mit Schmerz an dem Hotel vorbeigegangen“, sagt Bonaccorsi. Stattdessen verbrachten sie die diesjährigen Aufenthalte in Cogolo und Lavarone – beides Orte, an denen sie sich willkommen fühlten.

