Freitag, 5. Dezember 2025

Diskriminierungsvorwurf in Hotel: Betreiber absolvieren Kurs

Der Fall sorgte im Frühjahr 2023 überregional für Aufsehen: Eine römische Familie fühlte sich in einem Hotel in San Martino di Castrozza diskriminiert, nachdem die Betreiber sie während der Mahlzeiten in einen separaten Raum verbannt hatten – aufgrund der Beschwerden eines anderen Gastes.

Vor Gericht einigten die beiden Parteien sich auf eine symbolische Wiedergutmachung. - Foto: © l'Adige

Nun wurde der Vorfall offiziell beigelegt: Die Hotelleitung hat auf Empfehlung des Zivilgerichts einen speziellen Empfangskurs bei der Genossenschaft Handicrea in Trient absolviert.

Cecilia Bonaccorsi, Mutter des 27-jährigen Tommaso Pimpinelli, der eine geistige Behinderung hat, machte den Vorfall öffentlich. Während ihres Aufenthalts im Hotel Colbricon in San Martino di Castrozza im Trentino war die Familie aufgefordert worden, den Speisesaal zu verlassen und in einer kleinen Nebenstube zu essen.

„Wir sind gegangen, und sie haben nichts getan, um uns aufzuhalten“, berichtete Bonaccorsi gegenüber der Tageszeitung „l'Adige“ später. Auch nach einer kurzen Entschuldigung per E-Mail habe sich das Hotel nicht mehr gemeldet.

Einigung vor Gericht

Die Familie wandte sich daraufhin an das Zivilgericht in Rom. Sie forderte keinen finanziellen Schadenersatz, sondern lediglich einen symbolischen Euro und die Verlesung des Urteils. Ziel sei es gewesen, „das Recht von Menschen mit Behinderung auf einen normalen Urlaub, in dem sie nicht ausgegrenzt werden, zu bekräftigen“, so äußerte der Anwalt der Familie gegenüber der Tageszeitung.

Auf Anraten des Richters einigten sich beide Parteien auf eine alternative Lösung: Die Betreiber des Hotels sollten einen von der Familie vorgeschlagenen Kurs besuchen, der Grundlagen einer respektvollen, inklusiven Betreuung von Gästen mit Behinderung vermittelt. Diese Schulung fand bei der Trientiner Genossenschaft Handicrea statt, die seit 30 Jahren im Bereich Inklusion tätig ist.

Wie das Gericht bestätigte, wurde der Kurs vollständig abgeschlossen. „Ich hoffe, dass der Samen, den wir gesät haben, aufgehen kann“, sagt Cecilia Bonaccorsi heute. Wichtig sei ihr vor allem, dass andere Familien künftig nicht ähnliche Erfahrungen machen müssten.

Hotel spricht von Missverständnis

Das Hotel Colbricon erklärte bereits kurz nach dem Vorfall, es habe sich um ein Missverständnis gehandelt. Man habe auf Beschwerden anderer Gäste reagieren wollen und der Familie daher einen „intimen Raum“ anbieten wollen, in dem Tommaso „größtmögliche Diskretion“ gehabt hätte. „Es war nicht unsere Absicht, jemanden zu verletzen“, hieß es damals laut „Adige“ in einer Stellungnahme.

Trotz der gerichtlichen Einigung zieht es die Familie vorerst nicht nach San Martino zurück. „Wir wären nur mit Schmerz an dem Hotel vorbeigegangen“, sagt Bonaccorsi. Stattdessen verbrachten sie die diesjährigen Aufenthalte in Cogolo und Lavarone – beides Orte, an denen sie sich willkommen fühlten.

stol

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