Freitag, 25. Juli 2025

Ertrinken: Den tödlichen Sprung ins Wasser verhindern

Jeden Sommer trüben tragische Badeunfälle die Urlaubsstimmung. Mit guten Schwimmkenntnissen, durchdachten Vorsichtsmaßnahmen und schnellen Rettungsmaßnahmen könnten Todesfälle verhindert werden. Dr. Barbara Sinner, Direktorin der Univ.-Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin an der Uni Innsbruck, erklärt, was beim Ertrinken passiert und worauf es bei der Ersten Hilfe ankommt.

Ertrinken bedeutet nicht immer ein wildes Rudern mit den Armen. Oft ist es unauffälliger – gerade bei Kindern. - Foto: © dpa-tmn / Christin Klose

Jährlich ertrinken in Österreich zwischen 22 und 47 Menschen – darunter immer wieder Kinder. „Viele Eltern überschätzen die Schwimmfähigkeit ihrer Kinder“, warnt Dr. Sinner. Besonders gefährdet seien neben Kleinkindern auch ältere Menschen.

„Beim Ertrinken schluckt man das Wasser nicht, es wird eingeatmet“, erklärt Dr. Sinner. Ein Kind kippt beispielsweise ins Wasser. Es hält unwillkürlich den Atem an, irgendwann versucht es doch, Luft zu holen und aspiriert dadurch Wasser in die Lunge. „Bereits nach vier bis sechs Minuten ohne Sauerstoff droht ein Herzstillstand, nach zehn Minuten ein schwerer Hirnschaden“, sagt Dr. Sinner.

Beim Ertrinken schluckt man das Wasser nicht, es wird eingeatmet.
Dr. Barbara Sinner, Direktorin der Univ.-Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin an der Uni Innsbruck

So reagieren Sie im Notfall richtig

Im Ernstfall zählt jede Minute: „Zuerst den Notruf absetzen, dann prüfen, ob die Person noch atmet oder einen Puls hat – und wenn nötig sofort mit Wiederbelebung beginnen“, so Dr. Sinner. Die Abfolge der Reanimation lautet: zweimal beatmen, 30-mal Herzdruckmassage. Wenn die Person Kreislauf hat, aber bewusstlos ist, bringt man sie in die stabile Seitenlage.

Nasse und kalte Kleidung sollte umgehend ausgezogen werden, damit die Person nicht zu stark abkühlt. Ob jemand überlebt, hängt davon ab, wie schnell das Gehirn wieder mit Sauerstoff versorgt wird. Wer reanimiert wird, muss meist intensivmedizinisch betreut werden – oft über Tage hinweg.

Auch kaltes Wasser kann zur Gefahr werden. „Der Kälteschock kann eine Panikreaktion auslösen. Es kann zur Muskelstarre, Herzrhythmusstörungen oder gar zum Herzstillstand kommen.“ Sinner rät, sich langsam abzukühlen, nie allein zu schwimmen und kleine Kinder niemals aus den Augen zu lassen.

stol

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