Die Hälfte der Teilnehmenden trug ein in den Rucksack integriertes Gerät, das Luft aus dem Schnee hinter dem Rücken ansaugt und vor das Gesicht leitet. Die andere Hälfte bildete die sogenannte Kontrollgruppe – ihr Gerät war funktionslos.
Das Ergebnis war eindeutig: Während mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kontrollgruppe das Experiment aufgrund von Atemnot abbrechen mussten, konnte in der Gruppe mit dem aktiven Gerät niemand einen relevanten Abfall des Sauerstoffgehalts feststellen. Alle elf Testpersonen mit aktiviertem System blieben die maximal vorgesehene Zeit von 35 Minuten unter Schnee – ohne gesundheitliche Komplikationen.
Laut den Forschenden hätte das in einer realen Lawinensituation mehr als fünfmal so viel Zeit für die Rettung bedeutet.
Veröffentlicht in internationaler Fachzeitschrift
Die Ergebnisse wurden in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift „JAMA“ veröffentlicht. Getestet wurde das Gerät „Safeback SBX“, das bereits auf dem Markt ist. Der norwegische Hersteller hatte Eurac Research um eine unabhängige wissenschaftliche Prüfung gebeten.Das Forschungsteam um Dr. Giacomo Strapazzon und Dr. Frederik Eisendle von Eurac Research führte die Studie gemeinsam mit der Universität Bergen, dem Universitätsklinikum Haukeland (Norwegen), der Norwegian Air Ambulance Foundation, dem italienischen Berg- und Höhlenrettungsdienst CNSAS, dem WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF (Schweiz), der Uniklinik Köln, der Medizinischen Universität Innsbruck und der Universität Padua durch.
Unterstützt wurde das Projekt auch vom Alpinen Ausbildungszentrum der Finanzwacht und den Skiliftanlagen am Rollepass.
So funktioniert das System
Das Gerät nutzt die Luftdurchlässigkeit des Schnees: Eine elektrische Pumpe saugt Sauerstoff aus dem Schnee hinter dem Rücken an und leitet ihn mit bis zu 150 Litern pro Minute vor Mund und Nase. Die Betriebsdauer liegt bei rund 90 Minuten.So bleibt die Atemluft auch dann ausreichend, wenn sich nur eine kleine Höhle um das Gesicht bildet – der entscheidende Unterschied zwischen Leben und Tod.
Forscher mahnen zur Vorsicht
Trotz der beeindruckenden Ergebnisse warnen die Wissenschaftler vor falscher Sicherheit.„Kein Gerät kann eine sorgfältige Vorbereitung und Prävention ersetzen“, betonen Eisendle und Strapazzon. „Unsere Studie zeigt jedoch, dass das untersuchte System sehr effektiv ist, um die Überlebenszeit zu verlängern und Rettungsteams wertvolle Minuten zu verschaffen.“
Mit Blick auf die kommende Wintersaison sind die Ergebnisse eine gute Nachricht – besonders für alle, die regelmäßig im alpinen Gelände unterwegs sind.

