Freitag, 7. November 2025

Fall Giorgio Carli: „Das ist ein systemisches Gesamtversagen“

Es liege ein „systemisches Gesamtversagen“ vor. Mit diesen harten Worten ließ der Münchner Rechtsanwalt Ulrich Wastl bei einer Fachtagung der Diözese am heutigen Freitag aufhorchen. Gemeint sei damit der Umgang mit Missbrauchsfällen in der Kirche. Er sagt, dass es nun ein Schuldbekenntnis brauche, denn, so Wastl: „Das ist für die Diözese die letzte Chance, ihre Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.“

Der Fall Don Giorgio Carli (im Bild, Archivaufnahme) belastet die Diözese weiter. - Foto: © eg - Erika Gamper

Die Kanzlei von Wastl wurde im September dieses Jahres von der Diözese beauftragt, den Umgang mit dem Fall Don Giorgio Carli zu bewerten (Hier mehr dazu).

Don Giorgio Carli sollte vor einigen Wochen von Sterzing nach Innichen versetzt werden. Doch der Protest war riesig und der Bischof nahm seine Entscheidung zurück. Giorgio Carli war wegen Missbrauchs gegen eine Jugendliche angeklagt (Hier mehr dazu).

Der Münchner Rechtsanwalt Ulrich Wastl wurde deutlich.

„Der Schutz potenzieller weiterer Opfer hätte stets Vorrang haben müssen“

„Bei der Frage nach dem Wiedereinsatz eines mutmaßlichen Missbrauchstäters wäre es regelmäßig darum gegangen, das Verhältnis zwischen dem Schutz möglicher zukünftiger Betroffener und den Interessen des beschuldigten Priesters zu bewerten“, so Wastl. „Eine solche Abwägung ist jedoch gerade in diesem Fall nicht dokumentiert“, bemängelt der Rechtsanwalt. Es sei aber nicht erkennbar, so Wastl, dass diese Abwägung überhaupt vorgenommen wurde.

„Das ist für die Diözese die letzte Chance“

„Nach unserer Auffassung hätte bei der rechtskräftigen Feststellung der Tat stets der Schutz potenzieller weiterer Opfer Vorrang haben müssen“, so Wastl. „Selbst bei bloßen Verdachtsmomenten wären die Schwere der Vorwürfe und die Dichte der Hinweise zwingend in die Entscheidung über Präventionsmaßnahmen einzubeziehen gewesen.“

Ulrich Wastl betont, dass es nun vonseiten der Diözese ein Schuldbekenntnis brauche. „Das ist für die Diözese die letzte Chance, ihre Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.“

Wie Bischof Ivo Muser darauf reagiert, das lesen Sie hier.

stol

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