Mittwoch, 8. April 2026

Fett im Abwasser: Robin kritisiert mangelnde Kostenwahrheit

Das Land Südtirol hat auf eine Anfrage des Verbraucherschutzvereins Robin zur steigenden Fettbelastung im Abwasser geantwortet. Die Antwort sorgt für Kritik der Verbraucherschützer: Weder lägen genaue Daten zur Mehrbelastung vor, noch gäbe es eine verursachergerechte Kostenverteilung.

Ein zentraler Punkt der Anfrage war der massive Rückgang bei der getrennten Sammlung von Altspeisefetten. - Foto: © Shutterstock / shutterstock

Wer zahlt für die Reinigung von stark belastetem Abwasser? Diese Frage steht im Zentrum einer aktuellen Auseinandersetzung zwischen dem Verbraucherschutzverein Robin und den zuständigen Landesämtern für Gewässerschutz und Abfallwirtschaft.

Aus der Antwort des Landes auf eine entsprechende Anfrage des Verbraucherschutzvereins geht hervor, dass die Abwassergebühren derzeit ausschließlich nach der Menge und nicht nach dem Verschmutzungsgrad berechnet werden.

Keine Daten zur Kostenverteilung

Laut einer Aussendung der Verbraucherschützer lägen derzeit keine konkreten Daten darüber vor, wie hoch die tatsächliche Mehrbelastung durch Fette aus Haushalten im Vergleich zur Gastronomie ist. Damit fehle auch eine Grundlage für eine differenzierte Kostenverteilung.

„Niemand weiß genau, wie hoch die Zusatzkosten durch die Fettbelastung sind, aber die Kosten werden pauschal auf alle Beitragszahler umgelegt“, kritisiert Walther Andreaus, Geschäftsführer von Robin. Er sieht darin eine versteckte Mehrbelastung für die privaten Haushalte und fordert die Anwendung des Verursacherprinzips.

Rückgang bei der Fettsammlung gibt Rätsel auf

Ein zentraler Punkt der Anfrage war der massive Rückgang bei der getrennten Sammlung von Altspeisefetten. Diese sank laut offiziellen Zahlen von über 1.000 Tonnen im Jahr 2020 auf rund 370 Tonnen im Jahr 2024.

Während das Land diesen Rückgang mit der Eigenverantwortung der Betriebe erklärt, äußert Robin Zweifel. Es bleibe ungeklärt, ob die fehlenden Mengen tatsächlich korrekt entsorgt werden oder verstärkt über die Kanalisation abfließen. Die Landesämter verwiesen darauf, dass die Kontrolle der ordnungsgemäßen Entsorgung in die Zuständigkeit der Gemeinden falle, räumten jedoch ein, dass solche Überprüfungen „nicht einfach durchzuführen“ seien.

„Die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Wird dieses Fett tatsächlich korrekt entsorgt – oder landet es zunehmend im Abwasser?“, so Andreaus.

Zuständigkeit liegt bei den Gemeinden

Trotz der Problematik sind auf Landesebene derzeit keine neuen Maßnahmen geplant. Das Land betont, dass die Regelung der Tarife und die Überwachung der Einleitungen primär Aufgabe der Gemeinden seien.

Für den Verbraucherschutzverein Robin ist dieser Zustand nicht zufriedenstellend. Der Verein fordert eine transparente Erhebung der durch Fett verursachten Zusatzkosten in den Kläranlagen sowie eine Reform der Gebührenstruktur, die die Belastung des Abwassers berücksichtigt. Außerdem sollte es koordinierte Kontrollen zur Einhaltung technischer Normen und Grenzwerte geben.

„Das Verursacherprinzip darf kein Lippenbekenntnis sein“, so Andreaus abschließend. Der Verein kündigte an, das Thema weiter zu verfolgen und notfalls auch auf staatlicher Ebene intervenieren zu wollen.

stol

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