Dieses Abkommen erlaubt es der Finanzpolizei, mit Unterstützung des Landes Südtirol, spezielle Wettbewerbe für die Rekrutierung von Anwärterinnen und Anwärtern auf den Unteroffiziersrang sowie von Finanzbeamten auszuschreiben.
Voraussetzung ist der Besitz eines zweisprachigen Nachweises mindestens auf Niveau B2 (obere Mittelstufe), wie er für die Einstellung in die öffentliche Verwaltung erforderlich ist, wenn ein Abschluss einer
weiterführenden Schule verlangt wird.
Verfahren nur für Personen mit Zweisprachigkeit offen
Die wesentlichen Neuerungen im Vergleich zum bisherigen Auswahlverfahren sind eine größere Flexibilität, da das Verfahren autonom ist und nur für Personen mit dem vorgeschriebenen Sprachzertifikat (Italienisch-Deutsch) offensteht.Zudem können die Kandidatinnen und Kandidaten die wichtigsten Prüfungen – schriftlich und mündlich – auch in deutscher Sprache ablegen. Diese Prüfungen finden in Einrichtungen in Südtirol statt, die vom Land bereitgestellt werden.
Wie bisher werden die neuen Unteroffiziere und Finanzbeamten nach Abschluss der Ausbildung überwiegend in Südtirol eingesetzt oder, in geringerem Maße, in den Abteilungen am Sitz Trient mit regionaler Zuständigkeit.
Ziel: Qualität der Finanzpolizei verbessern
Die Anwärterinnen und Anwärter auf den Unteroffiziersrang erhalten am Ende der Ausbildung einen dreijährigen Hochschulabschluss in wirtschaftlich-juristischen Fächern.Ziel der Vereinbarung ist es, die Qualität des Dienstes der Finanzpolizei für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen, die die Regeln einhalten, weiter zu verbessern.
Die Finanzpolizei zeichnet sich durch hohe fachlich-rechtliche Anforderungen aus und ist in vielen Bereichen tätig: von der Bekämpfung wirtschafts- und finanzstrafrechtlicher Delikte (Steuerhinterziehung, Betrug, Gesellschafts- und Konkursdelikte, Geldwäsche) über die Kontrolle der Mittelverwendung, den Kampf gegen Schmuggel und Drogenhandel bis zur territorialen Kontrolle durch Luft- und Seeeinheiten, vom alpinen Rettungsdienst bis zu spezialisierten Anti-Terror- und Soforteinsatz-Einheiten.
Wunsch: Vorgaben des Autonomiestatuts umsetzen
Die Zusammenarbeit entspreche laut Aussendung dem Wunsch der Finanzpolizei und des Landes, die Vorgaben des Autonomiestatuts umzusetzen. Öffentliche Verwaltungen sollten ihre Strukturen so anpassen, dass die Verwendung der gesetzlich anerkannten Sprachen Italienisch und Deutsch gewährleistet sei.Landeshauptmann Kompatscher erinnerte daran, dass die Landesregierung alle Maßnahmen unterstützt, die den Gebrauch beider Amtssprachen stärken und den Bürgerinnen und Bürgern die Interaktion mit der Verwaltung in ihrer Muttersprache ermöglichen.
Für das Erreichen dieses Ziels sei die Zusammenarbeit des Landes entscheidend. Schon während der Vorbereitung des Abkommens hätten Landeshauptmann Kompatscher und Generalsekretär Eros Magnago große Bereitschaft gezeigt.
Junge Menschen für Laufbahn bei Finanzpolizei begeistern
Das Land stellt die Prüfungsräume zur Verfügung, übersetzt die Ausschreibungen und Testhefte ins Deutsche, bestätigt auf Anfrage den Besitz des zweisprachigen Nachweises und liefert Listen von Lehrpersonen mit ausreichenden Italienisch- und Deutschkenntnissen für die Prüfungsfächer.Zudem erleichtert das Land den Kontakt zwischen Finanzpolizei und Schulämtern für spezifische Informationsmaßnahmen, insbesondere für Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen.
Dieser Punkt sei besonders wichtig: Junge Südtirolerinnen und Südtiroler sollten die Möglichkeit erhalten, sich für eine qualifizierte Laufbahn bei der Finanzpolizei zu interessieren. Um dies zu ermöglichen, würden gezielte Informationsmaßnahmen umgesetzt, einschließlich Studientagen an Schulen, bei denen die wichtigsten Aufgaben der Finanzpolizei vorgestellt werden.
„Enge Zusammenarbeit des Landes mit Sicherheitsorganen“
Die Unterzeichnung der Vereinbarung erfolgte am Rande einer gemeinsamen Pressekonferenz. Auch der Regierungskommissär, Vito Cusumano, nahm teil und betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Verwaltungen, um den Bürgerinnen und Bürgern den Gebrauch ihrer Muttersprache zu sichern.Landesrätin Ulli Mair kommentierte: „Dieses Abkommen zeigt die enge Zusammenarbeit des Landes mit den Sicherheitsorganen des Staates.
Es erleichtert den Zugang zur Finanzpolizei für Südtirolerinnen und Südtiroler deutscher Muttersprache und sichert das Recht auf Gebrauch der Muttersprache besser ab.“

