Samstag, 15. November 2025

Gewalt im Gesundheitssektor: Italien zählt zu den europäischen Spitzenreitern

In Italien wächst die Aufregung um Gewalt im Gesundheitswesen. Mit über 125.000 Angriffen pro Jahr, einschließlich nicht gemeldeter Fälle, gehört Italien zu den europäischen Ländern mit der höchsten Gewaltquote gegen Pflegekräfte im Verhältnis zur Anzahl der Beschäftigten. Laut Berichten der Gewerkschaft „Nursing Up“ erlebt jeder vierte Pfleger mindestens einmal im Jahr physische oder verbale Gewalt.

Dabei bleibt die Dunkelziffer groß: In Italien wird nur einer von 25 Fällen gemeldet, so die Gewerkschaft. - Foto: © dpa / Sebastian Widmann


„Im Verhältnis zur Zahl der Beschäftigten und der Krankenhausaufnahmen ist Italien heute das europäische Land mit den meisten Übergriffen auf Pflegekräfte. Politische Maßnahmen fehlen, die ambulante Versorgung ist am zusammenbrechen – Notaufnahmen gleichen Schützengräben, Patienten sehen uns zunehmend als Gegner. Es muss jetzt gehandelt werden, um dieses soziale Problem einzudämmen. Wer eine Pflegekraft angreift, verletzt das gesamte öffentliche Gesundheitssystem“, erklärte Antonio De Palma, Präsident der Gewerkschaft.

Jeder fünfte Pfleger wurde im letzten Jahr europaweit Opfer von Übergriffen

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO erleben weltweit zwischen 8 und 38 Prozent der Gesundheitsfachkräfte im Laufe ihrer Karriere mindestens einen Gewaltvorfall. In Europa schätzt die „European Federation of Nurses“ (EFN), dass jeder fünfte Pfleger im letzten Jahr Opfer von Übergriffen wurde, mit den höchsten Werten in Italien, Großbritannien und Frankreich.

Die Dunkelziffer bleibt groß: In Italien wird nur einer von 25 Fällen gemeldet, betont die Gewerkschaft. „Nursing Up“ fordert unter anderem: ein verpflichtendes nationales Register für Angriffe, Sicherheitsvorkehrungen in Notaufnahmen, Schulungen zur Konfliktbewältigung für Personal, sowie einen außerordentlichen Einstellungsplan, um die Lücke von rund 175.000 Pflegekräften zu schließen.

stol/apa

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