Mittwoch, 17. Dezember 2025

Klimarisiken in Südtirol nehmen zu: Was tun?

Südtirol spürt die Folgen des Klimawandels bereits heute – und sie werden sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen. In einer umfassenden Analyse beleuchtet Eurac Research die Klimarisiken und die für Südtirol notwendigen Anpassungsmaßnahmen.

Extremwetterereignisse – wie etwa heftige Regenfälle und Hochwasser (im Bild die Passer im August 2025) – werden auch in Südtirol häufiger. - Foto: © lu

Ein neues Fachgutachten von Eurac Research zeigt: Steigende Temperaturen, häufigere Extremwetterereignisse und längere Trockenperioden gefährden zentrale Lebens- und Wirtschaftsbereiche des Landes. Landwirtschaft, Wälder, Wasserhaushalt, Energieversorgung, Tourismus, Biodiversität, Gesundheit, Wirtschaft und Siedlungsstrukturen und kritische Infrastrukturen stehen unter großem Anpassungsdruck durch die Folgen des Klimawandels.

Der Bericht macht deutlich: Südtirol braucht eine systematische, sektorübergreifende und sozial ausgewogene Klimaanpassungsstrategie, um den Lebensraum langfristig zu schützen und zugleich neue Zukunftsperspektiven zu eröffnen.

Klimarisiken für neun zentrale Sektoren untersucht

Die Analyse untersucht erstmals systematisch die aktuellen und künftigen Klimarisiken für neun zentrale Sektoren Südtirols. Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild: Negative Klimafolgen gefährden zunehmend sowohl ökologische als auch gesellschaftliche Systeme und erfordern rasches Handeln.

So werden im Fachbericht Schlüsselrisiken in fünf Sektoren mit einem besonders dringenden Anpassungsbedarf hervorgehoben: Im Bereich Wasser nehmen etwa Schäden an Ökosystemen und Infrastruktur durch Überschwemmungen deutlich zu. Die Biodiversität leidet unter massiven Belastungen durch Hitze, Trockenheit und Wassermangel, was Feuchtgebiete, Moore, Seen und Flüsse ebenso betrifft wie gletschergebundene Lebensräume; zusätzlich wächst der Druck durch invasive Arten.

In der Forstwirtschaft führen häufigere Extremwetterereignisse, Schädlingsbefall und Krankheiten zu großflächigen Waldschäden und gefährden langfristig die Schutzfunktion der Wälder. Die Gesundheit der Bevölkerung ist zunehmend durch Hitzewellen belastet, während im Energiesektor ein steigender Kühlbedarf auf ein sinkendes Wasserkraftpotenzial trifft.

Diese Risiken sind nicht isoliert zu betrachten. Viele beeinflussen sich gegenseitig und können sich verstärken – etwa wenn Trockenperioden Waldschäden begünstigen, die wiederum den Schutz vor Naturgefahren schwächen. Die Analyse führt diese komplexen Wechselwirkungen von Klimarisiken vor Augen, die eine koordinierte und vorausschauende Anpassung erforderlich machen.

Viele Klimarisiken noch nicht ausreichend berücksichtigt

Obwohl verschiedene Maßnahmen ergriffen wurden, berücksichtige die aktuelle Politik laut dem Bericht viele Klimarisiken noch nicht ausreichend. Er zeigt deutlich: Neben sektoriellen Maßnahmen brauche Südtirol eine strategisch abgestimmte, langfristige und sektorübergreifende Anpassungspolitik. Eine besondere Rolle spiele dabei der Schutz, die Wiederherstellung und die Stärkung von Ökosystemen, die als natürliche Puffer gegen klimatische Extreme wirken können.

Ebenso notwendig sei ein integriertes Wassermanagement, das den gesamten Wasserkreislauf von der Quelle bis zur Nutzung sowie die verschiedensten Nutzungsansprüche –Trinkwasser, Bewässerung, Biodiversität, Energieerzeugung – entlang des gesamten Einzugsgebietes umfasst. Von zentraler Bedeutung sei zudem eine klimaangepasste Raumplanung, die Hitzeinseln reduziert, Risiken vorbeugt und natürliche Ressourcen schont.

Der Bericht hebt außerdem hervor, dass Anpassungsmaßnahmen sozial gerecht gestaltet werden müssen – generationen- und geschlechtergerecht – und dass Wirtschaft, Verbände sowie die Zivilgesellschaft stärker in Prozesse der Klimaanpassung eingebunden werden sollten. Auch der Bevölkerungsschutz werde künftig eine noch wichtigere Rolle im integralen Risikomanagement spielen, insbesondere in den Bereichen Wasser, Siedlung, Verkehr, kritische Infrastrukturen, Energie und Gesundheit. Ein wichtiges Ziel sei schließlich der Aufbau einer soliden Daten- und Wissensbasis, einschließlich aktueller Szenarien, Monitoring-Systeme und eines öffentlich zugänglichen Informationsportals zu Klimawandel, Klimaschutz und Klimaanpassung.

Positive Visionen für die Zukunft

Der Bericht zeigt nicht nur Risiken, sondern auch Potenziale: Ein klimaresilientes Südtirol bedeutet nicht nur Schutz vor Schäden, sondern eine potenziell höhere Lebensqualität.

Im Rahmen eines „Zukunftslabors“ entwickelten 31 Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung und Verbänden gemeinsam mit Forschenden eine positive Vision der Zukunft. Ein Südtirol, das Risiken verringert, natürliche Ressourcen bewahrt und gleichzeitig lebenswerter, gerechter und wirtschaftlich widerstandsfähiger wird. Diese Vision ergänzt bewusst die klare Risikoanalyse – und zeigt: Klimaanpassung ist auch eine Chance zur Gestaltung.

Grundlage für die Klimaanpassungsstrategie des Landes

Der Klimarisikobericht bildet die fachliche Grundlage für die Erarbeitung der neuen Klimaanpassungsstrategie, mit der die Landesregierung am 14. November die Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz beauftragt hat. In den Bericht sind die neuesten Daten zu Klimawandel, Klimarisiken und bestehenden Politikinstrumenten eingeflossen; außerdem haben die Forschenden die Fachliteratur umfassend ausgewertet und zahlreiche Fachleute und Stakeholder eingebunden.

Über 20 Forschende aus verschiedenen Instituten von Eurac Research haben zum Bericht beigetragen. Finanziert wurde die Studie über das Forschungsprogramm der Provinz L.14 und erfolgte in enger Zusammenarbeit mit allen Ressorts des Landes.

Hier geht es zum Fachbericht.

stol

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