Donnerstag, 2. Oktober 2025

Kommentar: Das braucht niemand

„Für das Schreckliche gibt es Gedenktage, für das Schöne oft nur Lücken im Gedächtnis.“ Ein Kommentar von Vize-Chefredakteur Günther Heidegger.

Günther Heidegger: „Eigentlich ist München immer ein Wahnsinn. Aber heuer leider anders.“ - Foto: © DLife_LO

Eigentlich ist München immer ein Wahnsinn. Aber heuer leider anders. Nicht wegen der Menschenmassen, die sich am Wochenende über die Theresienwiese gewälzt haben. Und auch nicht wegen der Rekordmengen an Bier, die auf dem größten Volksfest der Welt in Strömen fließen – das alles gehört dazu.

Nein, vielmehr sind es die Vorkommnisse von gestern, die fassungslos machen: Ein brennendes Haus, Autos in Flammen, zwei Tote, eine Bombendrohung, die Schließung der Wiesn. Das alles 45 Jahre nach dem großen Attentat am Haupteingang des Oktoberfestes. Das braucht kein Mensch.

Mit fixen Tagen habe ich es sonst nicht so. Geburtstage etwa vergesse ich zuverlässig.
Günther Heidegger


Und doch merke ich, dass mich dieser Tag jedes Jahr wieder einholt. Jetzt umso mehr. Seltsam eigentlich, denn mit fixen Tagen habe ich es sonst nicht so. Geburtstage etwa vergesse ich zuverlässig. So wie gerade erst den eines guten Freundes.

Aber der 26. September 1980 bleibt. Er sitzt im Kalender fest wie ein Stachel. Vielleicht liegt genau darin das Problem: Für das Schreckliche gibt es Gedenktage, für das Schöne oft nur Lücken im Gedächtnis.

guenther.heidegger@athesia.it

stol

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