Mattarella warnt vor „Nachahmern dunkler Zeiten“
Die Europäische Union, die aus den Ruinen des Krieges entstanden sei, habe es vermocht, den Multilateralismus in den Dienst des Friedens zu stellen, sagte der italienische Präsident. „Lassen wir es nicht zu, dass heute der europäische Traum, unsere Union, von Nachahmern dunkler Zeiten zerrissen wird. Von Zeiten, die Leid, Elend und Trostlosigkeit hinterlassen haben.“Mattarella sagte, dem „Nie wieder“ als Reaktion auf den Holocaust stehe heute ein „Wieder“ gegenüber. „Dies erleben wir gerade: wieder Krieg, wieder Rassismus, wieder große Ungleichheit, wieder Gewalt, wieder Aggression.“
Spitzen des Staats in der Gedenkstunde im Bundestag
An der Gedenkstunde im Bundestag nahmen auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU), Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth teil.Sie hatten zuvor in der Neuen Wache in Berlin Kränze niedergelegt. Die Neue Wache ist die zentrale deutsche Gedenkstätte für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.
Klöckner ruft zur Verteidigung der Demokratie auf
Klöckner rief zum Volkstrauertag dazu auf, Frieden und Demokratie konsequent zu verteidigen. Gedenken müsse mehr heißen als zu erinnern, sagte sie in Berlin. „Es muss heißen, zu verstehen und zu handeln: Frieden und auch Demokratie sind keine Zustände, die einfach gegeben sind, die man verwalten kann. Sie sind Aufgaben, die jeden Tag neu beginnen und die kein anderer für uns erledigt.“Die Bundestagspräsidentin betonte, wer die Opfer von Krieg und Gewalt ehre, wisse, wohin Hass und Verblendung führen. „Der darf nicht schweigen, wenn Frieden und Demokratie bedroht werden – nirgendwo auf der Welt.“
„Diktatur und Krieg liegen eng beieinander“
In der Gedenkstunde im Bundestag wies der Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Wolfgang Schneiderhan, darauf hin, dass Diktatur und Krieg eng beieinander lägen und umgekehrt Demokratie und Frieden zusammengehörten. „Wo Krieg geführt wird, verschwindet die Demokratie. Und wo die Demokratie abgeschafft wird, wird die Tür für den Krieg geöffnet.“Bei einer Kranzniederlegung am Ehrenmal der Bundeswehr im Bendlerblock in Berlin sagte der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer: „Dieser Tag erinnert uns, und er verpflichtet uns: Krieg und Gewalt muss mit allen Mitteln verhindert werden.“ Breuer erinnerte auch an die im Dienst gestorbenen Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr.

