Mittwoch, 14. Januar 2026

Offener Brief: „Schutz der Alpen vor übermäßigem Transitverkehr “

67 Organisationen, darunter der Dachverband für Natur- und Umweltschutz/CIPRA Südtirol, haben einen offenen Brief an EU-Kommissar Apostolos Tzitzikostas und die Verkehrsminister der Alpenländer gerichtet. „Der Alpenraum steht zunehmend unter Druck durch die Klimakrise, die Luftverschmutzung und das stetig wachsende Verkehrsaufkommen. Wir fordern deshalb die Beibehaltung der Tiroler Güterverkehrsregelung am Brennerpass“, teilen sie in einer Aussendung mit.

In einem offenen Brief rufen Organisationen dazu auf, entschlossen Maßnahmen gegen die zunehmende Verkehrsbelastung im Alpenraum zu ergreifen. - Foto: © DLife

2024 hat Italien gegen die Maßnahmen Tirols zur Regulierung des Güterverkehrs über den Brenner am Europäischen Gerichtshof Klage eingereicht.

Die unterzeichnenden Organisationen des Offenen Briefs fordern die Beibehaltung der Tiroler Güterverkehrsregelung am Brennerpass. „Die 2026 anstehende Entscheidung wird unweigerlich eine Vorbildwirkung für andere Alpentransitrouten haben. Sie darf kein Präzedenzfall für den Abbau der erreichten Errungenschaften eines mensch- und umweltgerechten Verkehrsmanagements werden“, heißt es in einer Aussendung.

Der Offene Brief ruft dazu auf, entschlossen Maßnahmen gegen die zunehmende Verkehrsbelastung im Alpenraum zu ergreifen. Uwe Roth, Präsident von CIPRA International, betont im Offenen Brief: „Die Beibehaltung der Güterverkehrskontrollen am Brenner sowie die Umsetzung eines nachhaltigen Straßen- und Schienenverkehrsmanagements auf den Alpen-Transitstrecken sind entscheidend, um einen umwelt- und klimafreundlichen Transit zu gewährleisten und zugleich Mensch und Natur zu schützen.“

Im Bild von links: Uwe Roth (Präsident von CIPRA International), Elisabeth Ladinser (Vorsitzende des Dachverbands für Natur- und Umweltschutz/CIPRA Südtirol) und Jakob Dietachmair (Direktor von CIPRA International). - Foto: © CIPRA International

„Verkehrslenkung als zentrales Instrument“

Die Klage Italiens gegen Österreich ziele darauf ab, die in Tirol bestehenden Lenkungsmaßnahmen wegen der vermuteten Verletzung des unionsrechtlich gewährleisteten Grundsatzes des freien Warenverkehrs aufzuheben. Eine Aufhebung der Lenkungsmaßnahmen durch den Europäischen Gerichtshof zugunsten eines unbeschränkten Warenverkehrs in Europa hätte untragbare Auswirkungen auf die Regionen an der Brennerachse und eine weitreichende Signalwirkung für die alpenquerenden Straßenrouten auf allen Alpentransitstrecken.

Die 67 unterzeichnenden Organisationen warnen vor einem Dominoeffekt: Schutzmaßnahmen für Mensch und Umwelt auf anderen Alpentransitrouten könnten ebenfalls aufgehoben oder künftig gar nicht mehr erlassen werden. Der Güterverkehr auf der Straße würde damit Priorität erhalten und umweltfreundlichere Verkehrsträger wie die Schiene benachteiligen.

Nur mit einer starken Schiene kann der Verkehr wirksam verlagert werden.
Elisabeth Ladinser


Statt einer vollständigen Öffnung für den Straßengüterverkehr brauche es auf den Alpentransitrouten – etwa am Brenner-Korridor – dringend zusätzliche Maßnahmen, um den stetig zunehmenden Verkehr von Personen- und Lastkraftwagen wirksam zu begrenzen. „Nur mit einer starken Schiene kann der Verkehr wirksam verlagert, der Gütertransport klimaverträglich gestaltet und die Lebensqualität der alpinen Bevölkerung geschützt werden“, sagt Elisabeth Ladinser, Vorsitzende des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz und von CIPRA-Südtirol.

stol

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