Abgesehen vom umstrittenen Neubau der Bob- und Rodelbahn in Cortina d'Ampezzo – dem mit Abstand größten Fauxpas dieser Spiele – setzt das IOC auf bestehende Wettkampfstätten und zahlt dafür den Preis, dass es erstmals sehr zerstreute Olympiaden sind.
Zwar wurde manch eine Anlage teils aufwendiger modernisiert, als für die Spiele eigentlich nötig, doch es sind wenigstens Investitionen in Orte mit Zukunft: die Biathlonarena in Antholz, das Langlaufstadion im Fleimstal, die Skigebiete von Bormio und Cortina. Es sind Austragungsorte, an denen regelmäßig internationale Wettbewerbe stattfinden. Predazzo und Antholz mit Pragelato und Cesana zu vergleichen, wäre absurd.
Auch bei den Olympiadörfern scheint das IOC aus der Vergangenheit gelernt zu haben – keine Bauruinen auf Zeit mehr, die sonst wie ausgestorbene Geisterstädte in den Alpen stehen würden.
Das olympische Dorf in Mailand für rund 1.440 Athleten wird nach den Spielen zum größten Studentenwohnheim Italiens umfunktioniert. In Cortina setzt man auf temporäre Tiny Houses, die danach abgebaut und weiterverwendet werden. In Antholz verzichtet man sogar vollständig auf ein olympisches Dorf und greift stattdessen auf bestehende Hotels zurück.
Das IOC stolpert weiter über kleinere und größere Ausrutscher. Die Planung hinkt, die Kosten übersteigen oft das Geplante, von Transparenz oft Fehlanzeige. Doch dennoch: Mailand – Cortina markiert einen Bruch zum sonstigen Größenwahn und damit vielleicht den ersten realistischen Schritt in eine Zukunft, die diesen Namen verdient.


