Samstag, 6. Dezember 2025

Sänger Al Bano will „Waldfamilie“ bei sich aufnehmen

Der italienische Sänger Albano Carrisi (Al Bano) hat der sogenannten „Waldfamilie“ aus den Abruzzen eine Unterkunft auf seinem Anwesen in Süditalien angeboten. In einem Interview erklärte der 82-Jährige, er sei bereit, das anglo-australische Elternpaar und dessen drei Kinder bei sich aufzunehmen.

Albano Carrisi will die sogenannte „Waldfamilie“ bei sich aufnehmen. - Foto: © AFP / LLUIS GENE

Die Familie lebte in einem abgelegenen, baufälligen Haus in einem Waldstück in den Abruzzen, bevor die Behörden am 20. November die Kinder in staatliche Obhut brachten. Das Schicksal der sogenannten „Waldfamilie“ beschäftigt Italien, seit das Jugendgericht der Stadt L'Aquila vor drei Wochen den Eltern das Sorgerecht für ihre drei Kinder entzogen hatte. Al Bano begründete seine Einladung mit eigenen Lebenserfahrungen. In den 1970er-Jahren habe er sich selbst für ein einfaches Leben fernab der Stadt entschieden. Sein heutiges Anwesen in Cellino San Marco in der süditalienischen Region Apulien umfasst Weinberge, Olivenhaine und ein großes, altes Bauernhaus mit mehreren Wohn- und Gästebereichen.

Schicksal der Familie bewegt Italien

Das Schicksal der Familie sorgt in Italien auch für politische Debatten. Vizepremier Matteo Salvini kritisierte erneut die Entscheidung der Behörden und forderte eine schnelle Rückführung der Kinder zu den Eltern. Auch die katholische Organisation „Pro Vita & Famiglia“ übergab dem Justizminister mehr als 50.000 Unterschriften mit derselben Forderung.

Der zuständige Jugendgerichtshof in L'Aquila verschob unterdessen eine Entscheidung über den Fall. Das Gericht will neue Informationen prüfen, bevor es über eine mögliche Änderung der bisherigen Maßnahmen entscheidet. Parallel läuft ein Berufungsverfahren der Eltern, das am 16. Dezember vor dem Berufungsgericht verhandelt werden soll.
Das Jugendgericht von L'Aquila bemängelte die Lebenssituation der Kinder, die in sehr einfachen Verhältnissen in einem Steinhaus im Wald von Palmoli aufwachsen – ohne fließendes Wasser, Stromanschluss – und ohne in eine Schule zu gehen. Mit der alternativen Selbstversorger-Familie leben ein Pferd, ein Esel, Hunde, Katzen und Hühner.

Pilzvergiftung der Kinder brachte Stein ins Rollen

Nachdem die Kinder vor einem Jahr mit einer Pilzvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden waren, nahm das Jugendamt die Familie ins Visier. Die Kommunikation gestaltete sich offenbar sehr schwierig, weil die Eltern laut Gericht die Zusammenarbeit verweigerten.
In ihrem Urteil vom 13. November, in dem das Sorgerecht entzogen wurde, bemängeln die Richter außerdem, dass das Haus im Wald unhygienisch und teils baufällig sei. Kritisiert wird, dass die Kinder, die im „Homeschooling“ von den Eltern unterrichtet werden, keinen sozialen Kontakt zu anderen Kindern hätten.

Im Sommer in Kaltern

Al Bano gastierte erst vor wenigen Monaten in Südtirol. Ende Juli gastierte der 82-Jährige mit seiner Band bei den Kalterer Seespielen.

apa/zor

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