Donnerstag, 7. August 2025

Schwangerschaftsabbrüche und Fehlgeburten: Die Situation in Südtirol

Im Vorjahr ist die Zahl der freiwilligen Schwangerschaftsabbrüche in Südtirol leicht gesunken, auch Fehlgeburten wurden seltener verzeichnet. Gleichzeitig nahm der Anteil medikamentöser Eingriffe deutlich zu. Das geht aus dem aktuellen Bericht des Landesinstituts für Statistik (ASTAT) hervor. Die Daten zeichnen ein detailliertes Bild zur Altersstruktur, Herkunft und medizinischen Versorgung der betroffenen Frauen.

Laut ASTAT wurden im Jahr 2024 in Südtirol insgesamt 525 freiwillige Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. - Foto: © dpa-tmn / Christin Klose

Rückgang bei Abbrüchen und Fehlgeburten

Laut ASTAT wurden im Jahr 2024 in Südtirol insgesamt 525 freiwillige Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt – das entspricht einem Rückgang von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die Zahl der dokumentierten Fehlgeburten mit stationärer Aufnahme ist um 17,7 Prozent auf 325 Fälle gesunken.

Medikamentöse Methode dominiert

Die medikamentöse Methode gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung: 55,8 Prozent der Schwangerschaftsabbrüche wurden 2024 auf diesem Weg durchgeführt – ein Plus von über zehn Prozent im Vergleich zu 2023. In 93,5 Prozent der Fälle erfolgte der Eingriff ambulant oder im Tagesklinikmodus mit einer Aufenthaltsdauer von unter 24 Stunden. Der Anteil chirurgischer Eingriffe, die zumeist unter Vollnarkose stattfinden, lag bei 44,2 Prozent.

Höhere Abbruchrate bei ausländischen Frauen

Ein auffälliger Unterschied zeigt sich zwischen Frauen mit und ohne italienische Staatsbürgerschaft. 40,4 Prozent der Schwangerschaftsabbrüche betrafen Frauen aus dem Ausland. Die Abbruchziffer lag bei 13,1 pro 1.000 Frauen im gebärfähigen Alter – fast viermal so hoch wie bei Italienerinnen (3,4 Promille). Auch bei Fehlgeburten war die Rate unter ausländischen Frauen mehr als doppelt so hoch (5,5 vs. 2,5 Promille).

Wer ist betroffen?

Fast die Hälfte der betroffenen Frauen war jünger als 30 Jahre. Das Durchschnittsalter betrug 29,2 Jahre bei Italienerinnen und 30,6 Jahre bei Ausländerinnen. Ein Viertel hatte bereits mindestens einen Schwangerschaftsabbruch hinter sich, 18,7 Prozent eine frühere Fehlgeburt. Die Mehrheit war ledig (64,1 Prozent), knapp ein Drittel verheiratet. Auffällig: 38,3 Prozent hatten keine Kinder, während 39,4 Prozent bereits zwei oder mehr Kinder hatten.

Abbrüche meist in der Frühschwangerschaft

Die meisten Schwangerschaftsabbrüche (rund 80 Prozent) wurden vor der zehnten Schwangerschaftswoche durchgeführt. Nur 6,5 Prozent erfolgten nach der zwölften Woche – meist aus medizinischen Gründen.

Zugang erschwert: Viele Gewissensverweigerer

Ein zentrales Hindernis beim Zugang zum Schwangerschaftsabbruch ist der hohe Anteil an Ärzten, die den Eingriff aus Gewissensgründen ablehnen. In den beiden einzigen Kliniken, in denen Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden – Bozen und Meran – liegt die Quote bei 74,3 Prozent. In ganz Südtirol beträgt sie 59,5 Prozent.

Fehlgeburten: Höheres Risiko im höheren Alter

Die meisten der 325 dokumentierten Fehlgeburten ereigneten sich in den ersten zehn Schwangerschaftswochen (65,5 Prozent). Das Durchschnittsalter der betroffenen Frauen lag bei 33,5 Jahren. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko deutlich: Bei Frauen ab 40 Jahren lag die Rate bei 186,9 Fehlgeburten pro 1.000 Lebendgeborene – mehr als doppelt so hoch wie bei 35- bis 39-Jährigen.

In fast der Hälfte der Fälle wurde eine Ausschabung unter Vollnarkose durchgeführt, bei 86,5 Prozent war ein eintägiger Klinikaufenthalt erforderlich.

stol

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