Donnerstag, 30. Oktober 2025

„Sicherheit ohne Sündenböcke“ – Junge Grüne warnen vor Angstpolitik in Südtirol

Die Young Greens South Tyrol (YGS) mahnen zu mehr Verantwortung im Umgang mit Ängsten und Unsicherheiten in der Bevölkerung. Politik und Medien müssten Sorgen ernst nehmen – ohne sie zu schüren. Statt Feindbildern brauche es Dialog, Transparenz und eine faktenbasierte Debatte über Sicherheit. „Echte Sicherheit entsteht nur dort, wo sich alle Menschen frei und ohne Angst bewegen können“, so die YGS.

„Wer komplexe gesellschaftliche Fragen auf einfache Erzählungen reduziert und mit Ängsten spielt, schafft Sündenböcke, anstatt die tatsächlichen Ursachen anzugehen“, so YGS. - Foto: © Shutterstock / shutterstock


Angstgefühle in der Bevölkerung müssen ernst genommen werden, aber sie dürfen nicht instrumentalisiert werden. Es ist Aufgabe von Politik und Medien, Sorgen aufzugreifen, ohne sie zu schüren. Wer komplexe gesellschaftliche Fragen auf einfache Erzählungen reduziert und mit Ängsten spielt, schafft Sündenböcke, anstatt die tatsächlichen Ursachen anzugehen.

Zum Thema Migration zeigen zahlreiche internationale Erhebungen, dass Vorurteile und Angstgefühle gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund dort am stärksten sind, wo kaum persönlicher Kontakt besteht. Umgekehrt sinken Misstrauen und Feindlichkeit deutlich, wenn Begegnung und Austausch stattfinden. Das sollte auch in Südtirol ein Ansporn sein, auf Dialog statt auf Ausgrenzung zu setzen.

„Echte Sicherheit entsteht, wenn Menschen frei sind von Angst“

Denn viele Unsicherheiten liegen nicht bei „den anderen“, sondern in unseren eigenen gesellschaftlichen Strukturen, vor allem im Patriarchat. Wenn Frauen oder queere Personen Belästigung oder Gewalt erfahren, werden sie häufig nicht ernst genommen und ihnen nicht geglaubt. Was nützt eine stärkere Polizeipräsenz, wenn das Justizsystem Betroffenen nicht die nötigen Schutzmaßnahmen bieten kann? Echte Sicherheit entsteht erst, wenn alle Menschen sich frei bewegen können; ohne Angst vor Gewalt, Diskriminierung oder Misstrauen.

Auch Kriminalitätszahlen müssen in den richtigen Kontext gesetzt werden. Ein Anstieg in den Statistiken bedeutet nicht automatisch mehr Gefahr: häufig werden einfach mehr Delikte angezeigt oder gesetzlich erfasst. So gab es beispielsweise vor wenigen Jahrzehnten noch den „matrimonio riparatore“: Vergewaltigungen wurden nicht angezeigt, weil Frauen dazu gezwungen werden konnten, ihre Täter zu heiraten. Häusliche Gewalt bleibt heute noch weitgehend straffrei, sowie Sexualdelikte im Internet, die sich auch häufen.

Die YGS fordern: Zahlen sollen künftig ins Verhältnis gesetzt und nicht aus dem Kontext gerissen werden. Wir brauchen Transparenz statt Sensationslust, Aufklärung statt Angstpolitik, und eine offene, faktenbasierte Debatte über Sicherheit, und das ohne Feindbilder zu konstruieren und zu stärken.

stol

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