Auch Umbenennungen einer Straße sowie von Kindergarten und Volksschule sollen folgen. „Es wird einen kompletten Schnitt mit allem geben, was seinen Namen betrifft“, sagte Bürgermeister Stefan Weirather (ÖVP) zur APA am Freitag.
Missbrauch von Kindern sei „einfach indiskutabel“, begründete Weirather die Schritte. Auch die mögliche Aberkennung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Imst stehe selbstverständlich im Raum. „Da sich die Ereignisse derzeit so überschlagen und Gmeiner schon lange tot ist, müssen wir aber erst prüfen, ob er überhaupt Ehrenbürger ist“, so der Bürgermeister dazu.
Weirather betonte gegenüber der „Tiroler Tageszeitung“ aber auch, dass die derzeitigen Mitarbeiter von SOS Kinderdorf teils hervorragende Arbeit leisten würden. Sie gelte es vor „Pauschalverurteilungen“ zu schützen.
Diskussion über Umbenennungen auch in Wien und Graz
In Wien wird ebenfalls bereits über eine Umbenennung des im ersten Bezirk gelegenen Hermann-Gmeiner-Parks diskutiert. Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) sprach sich gegenüber dem ORF Wien für eine Umbenennung aus. Voraussetzung dafür sei ein Antrag des Bezirks.Dort ließ man wissen, dass eine Umbenennung „unumgänglich“ sei, falls sich der Verdacht erhärte. Im Park befindet sich auch eine Büste Gmeiners. Die Grünen sprachen sich am Freitag bereits für eine Entfernung aus.
In Graz steht man der Idee, den Hermann-Gmeiner-Weg im südwestlichen Stadtbezirk Straßgang umzubenennen, aufgeschlossen gegenüber. Mit heutigem Wissen hätte man den Weg nicht nach Gmeiner benannt, er ist nicht mehr der ideale Namensgeber, hieß es auf Anfrage aus dem Büro von Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ).
Es sei zum Glück nur ein sehr kleiner Weg mit wenigen Häusern, der Aufwand wäre gering. Rückmeldungen über Widerspruch habe man nicht. Zuständig sei das Stadtvermessungsamt, die Sache müsste im Gemeinderat beschlossen werden, hieß es.
Werden Straßen umbenannt?
Auch die Organisation selbst überlegt, wie mit dem Erbe Gmeiners umgegangen werden soll. Die von SOS-Kinderdorf geführten Kärntner Ambulatorien in Moosburg und Villach („Hermann-Gmeiner-Zentren“) tragen den Namen des Gründers. Auch dort wird nun eine Änderung der Bezeichnung in Betracht gezogen, wie eine Sprecherin der „Kleinen Zeitung“ erläuterte.In Pinkafeld könnte das SOS Kinderdorf eine neue Adresse bekommen. Derzeit liegt es noch an der Hermann-Gmeiner-Straße, das dürfte sich aber ändern, wenn es nach Bürgermeister Kurt Maczek (SPÖ) geht. Er will das Thema Umbenennung im Stadtrat aufgreifen und diskutieren. Wenn die Vorwürfe gegen Gmeiner stimmen, sollte man darüber jedenfalls nachdenken, sprach er selbst sich auf APA-Anfrage für die Umbenennung aus.
Auch in Klagenfurt gibt es eine Straße, die nach Hermann Gmeiner benannt ist. Am kommenden Dienstag werden die Mitglieder des Stadtsenats in ihrer Sitzung eine mögliche Umbenennung diskutieren, teilte eine Sprecherin von Bürgermeister Christian Scheider (FSP) auf APA-Anfrage mit.
Der Gründer der SOS-Kinderdörfer wurde an zahlreichen Orten gewürdigt. Straßen bzw. Wege in ganz Österreich tragen seinen Namen. Laut dem Straßenverzeichnis der Statistik Austria sind es mindestens 14.

