Der Verdacht der Finanzpolizei: Ein ausgeklügeltes System, das offenbar über Scheinverträge illegale Arbeitskräfte bereitstelle – insbesondere an Unternehmen in der Fleischverarbeitung und im Großhandel in Südtirol, Trentino, Venetien und der Lombardei.
Scheinrechnungen, Briefkastenfirmen und Strohmänner
Durch die Ausstellung von Scheinrechnungen in Millionenhöhe sollen die Arbeitskräfte zu unlauteren Vergütungssummen vermittelt worden sein. Die mutmaßlich illegalen Gewinne, die die Verdächtigen dadurch gemacht haben sollen, hätten sie laut Ermittlungen ins Ausland überwiesen – über sogenannte Briefkastenfirmen: Unternehmen ohne echte Geschäftstätigkeit, die nach nur wenigen Monaten ihre Tätigkeit einstellen und an deren Spitze sogenannte Strohmänner stehen.Ermittelt wird gegen drei Hauptverdächtige: Einen Unternehmer aus Südtirol, einen Unternehmer aus Kampanien sowie einen Steuerberater aus der Provinz Neapel. Sie sollen ein weitreichendes System aufgebaut haben, mit dem sie offenbar Billigarbeitskräfte rekrutierten und mittels Scheinverträge an Auftraggeberfirmen vermittelt haben.
Verdacht: Geldwäsche um mehrere Millionen Euro
Laut der Finanzpolizei Bozen, die unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Bozen zum Fall ermittelte, sollen über 850 Arbeitskräfte illegal vermittelt worden sein. Insgesamt wurden demnach offenbar Scheinrechnungen im Umfang von über 80 Millionen Euro ausgestellt – mit mutmaßlichen Gewinnen von rund 14 Millionen Euro.Nach über zweijährigen Ermittlungen führten die Bozner Finanzbeamten nun mehrere Maßnahmen durch: Gegen die drei Hauptbeschuldigten wurden gerichtlich angeordnete Hausarreste vollstreckt, zudem erfolgten präventive Vermögensbeschlagnahmungen in Höhe von rund 14 Millionen Euro. Ins Ermittlungsregister wurden neben den drei Hauptverdächtigen auch 26 weitere Personen eingetragen.

