Mittwoch, 14. Januar 2026

Südtirol: Asphalt-Betrug: Festnahmen und Millionenvermögen eingefroren

In Südtirol ist den Ermittlungsbehörden ein schwerer Schlag gegen einen mutmaßlichen Betrugsring gelungen. Im Zuge einer koordinierten Aktion wurden Dutzende Personen festgenommen, zudem stellten die Behörden Vermögenswerte in Millionenhöhe sicher.

Die Betrüger sollen Teil einer kriminellen Organisation gewesen sein, die systematisch mit fingierten Asphaltierungsarbeiten Geld erbeutete (Archivbild).

Seit den frühen Morgenstunden läuft eine umfassende Operation der Finanzwache. Auf richterliche Anordnung kamen 14 Verdächtige in Untersuchungshaft. Sie sollen Teil einer kriminellen Organisation gewesen sein, die systematisch mit fingierten Asphaltierungsarbeiten Geld erbeutete. Bereits im Mai 2024 waren im selben Verfahren neun weitere Personen verhaftet worden – die Zahl der Beschuldigten steigt damit auf insgesamt 23.

Zeitgleich mit den Festnahmen wurden in Italien und im Ausland umfangreiche Sicherstellungen vorgenommen. Neben Bargeld betrifft dies auch Konten und andere Vermögenswerte, deren Gesamtwert sich auf über 19 Millionen Euro beläuft.

Lockangebote mit fatalen Folgen

Die Ermittlungen, die bereits im Jahr 2023 aufgenommen wurden, offenbaren ein wiederkehrendes Muster: Den Opfern wurden Asphaltarbeiten für Einfahrten, Höfe, Straßen oder Firmenareale zu auffallend günstigen Konditionen angeboten. Viele Kundinnen und Kunden, darunter zahlreiche Menschen aus Südtirol, ließen sich von den vermeintlichen Schnäppchen überzeugen und leisteten teilweise Vorauszahlungen.

Zwar wurden die Arbeiten meist zügig durchgeführt, doch das verwendete Material war von äußerst minderer Qualität. In vielen Fällen begann sich der Asphalt bereits nach kurzer Zeit zu zersetzen oder vollständig aufzulösen.

Scheinunternehmen ohne Ansprechpartner

Beschwerden liefen ins Leere. Die angeblichen Auftragnehmer waren nach Abschluss der Arbeiten nicht mehr erreichbar, die beteiligten Firmen existierten oft nur auf dem Papier. Laut Finanzwache handelte es sich um ein Geflecht aus kurzlebigen Briefkastenfirmen, die auf Strohmänner eingetragen und über das gesamte Staatsgebiet verteilt waren.

Dieses System ermöglichte es den Hintermännern, Steuern zu umgehen, Verantwortlichkeiten zu verschleiern und die erlangten Gelder außer Landes zu schaffen.

Internationale Geldwäsche aufgedeckt

Nach den ersten Festnahmen im Frühjahr 2024 nahmen die Ermittler auch die internationalen Finanzströme unter die Lupe. Dabei stießen sie auf ein ausgeklügeltes Geldwäschenetzwerk. Die Zahlungen der Geschädigten wurden innerhalb kürzester Zeit auf Konten in mehreren europäischen Ländern – unter anderem in Polen und Großbritannien – überwiesen und anschließend mehrfach weitertransferiert, um ihre Herkunft zu verschleiern.

Durch die Nachverfolgung dieser Transaktionen und die Zusammenarbeit mit ausländischen Behörden konnten weitere Beteiligte identifiziert und die gesamten Profite des Netzwerks ermittelt werden.

Haftbefehle in ganz Europa

Auf Grundlage der gesammelten Beweise ordnete das zuständige Gericht europaweite Festnahmen sowie das Einfrieren von Konten im Ausland an. Diese Maßnahmen werden derzeit sowohl innerhalb Italiens als auch international vollzogen.

Die Finanzwache sieht die Operation als deutliches Zeichen im Kampf gegen Wirtschaftsdelikte, organisierte Kriminalität und Geldwäsche. Gleichzeitig weisen die Behörden darauf hin, dass für alle Beschuldigten bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt.

stol

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