Familiäre Fürsorge als gesellschaftliche Säule
Sorge- und Pflegearbeit für Kinder und Angehörige zählt zu den wichtigsten Leistungen innerhalb einer Gesellschaft: Sie fördert das Aufwachsen emotional stabiler und gesunder junger Menschen, stärkt das soziale Miteinander und entlastet Bildungs-, Pflege- und Gesundheitssysteme. Diese Aufgaben werden jedoch nach wie vor überwiegend von Frauen übernommen – oft mit großem Engagement, aber auch mit weitreichenden finanziellen Konsequenzen.Doris Albenberger von der Allianz für Familie bringt es auf den Punkt:
„Ein Leben lang für die Familie da sein, darf nicht zu finanzieller Unsicherheit im Alter führen!“
Sichtbare Ungleichheit im Alter
Spätestens beim Pensionsantritt werden die Folgen der ungleichen Lastenverteilung deutlich. 80 Prozent aller Teilzeitstellen in Südtirol werden von Frauen ausgeübt, was zu geringeren Beitragsjahren und niedrigeren Renten führt. Für viele reicht die ausbezahlte Pension nicht zum Leben.„Diese soziale Ungerechtigkeit muss ein Ende haben“, fordert die Allianz.
„Es sollte längst eine Selbstverständlichkeit sein, Erziehungs- und Pflegezeiten als Versicherungsjahre für die Pensionsvorsorge anzurechnen. Familiäre Sorgearbeit soll zudem in einer Partnerschaft gerecht aufgeteilt werden,“ betont Gudrun Brugger von der Allianz für Familie.
Modelle für mehr Gerechtigkeit
Ein Ansatz ist das sogenannte Pensionssplitting, das in der Schweiz gesetzlich geregelt und in Österreich freiwillig möglich ist. Dabei werden Pensionsbeiträge des erwerbstätigen Elternteils teilweise an denjenigen übertragen, der überwiegend Kinder betreut. Auch Einzahlungen in den Zusatzrentenfonds des weniger erwerbstätigen Partners wären ein Schritt, um Familienarbeit finanziell abzusichern.Die Allianz für Familie sieht darin einen wichtigen Beitrag zu echter Gleichberechtigung: Familiäres Engagement müsse sichtbar, geteilt und fair abgesichert werden. Nur so können Frauen und Männer gleichberechtigt alt werden – und nur so bleibt unsere Gesellschaft im Gleichgewicht.

