Schon als kleine Mädchen lernten sie das Tanzen, wurden vom Vater gedrillt. Bald gehörten sie zum Kinderballett der Leipziger Oper und schafften die Aufnahme für die Operntanzschule. 1952, im Alter von 16 Jahren, flohen sie in den Westen und kamen nach Düsseldorf. Um selbstständig und finanziell unabhängig zu sein, tanzten sie in einem Revuetheater.
Dort wurde 1955 der Direktor des Lido in Paris auf die blonden jungen Frauen aufmerksam. Er engagierte sie für das berühmte Varieté auf den Champs-Élysées - die internationale Karriere nahm ihren Lauf. In den prüden Nachkriegsjahren gehörten die Kesslers zu den ersten, die in seriösen Shows viel Bein zeigten. Als ihr Vertrag in Paris 1960 endete, ging das „doppelte deutsche Fräuleinwunder“ auf Welttournee.
Vor allem aber die Italiener liebten die Kesslers. Dort hatten sie auch einen ihrer letzten großen Fernsehauftritte - zum 85. Geburtstag wurden die Zwillinge im italienischen Fernsehsender RAI gefeiert. Fast 24 Jahre hatten Ellen und Alice ab 1962 in Italien ihren Erstwohnsitz. Einen regelrechten Kult erzeugten sie 1975. Damals erschienen Nacktbilder im italienischen „Playboy“ von den 39-Jährigen - das Heft war binnen drei Stunden ausverkauft.
Abgesehen von wenigen Wochen waren sie stets zusammen, sie heirateten nie - beide hatten aber durchaus längere Beziehungen. Die vergangenen Jahre lebten sie in einem Doppelhaus im Münchner Nobelvorort Grünwald. Ihr Zusammenleben laufe gut, sagten beide. „Ellen ist der Motor, ich bin die Bremse“, beschrieb es Alice zum 85. Geburtstag in der „Bild“-Zeitung.
Dass eine der beiden ohne die andere weiterlebt, konnten sie sich nicht vorstellen. Schon ihre Großmutter war eineiiger Zwilling und hatte nach dem Tod ihres Manns mit der Schwester den Lebensabend verbracht. „Als die eine starb, folgte ihr die andere kurz darauf“, erinnerten sich die Kesslers später. Sie schieden nun gemeinsam aus dem Leben.

