Proklamiert wird zudem, dass Entscheidungen über „kulturell-ethische Fragen“ wie Bildung, Familienleben und Sprache künftig ausschließlich in die Kompetenz der nationalen Gesetzgebung fallen. Die Bestimmung über die Souveränität des Landes, insbesondere in Fragen der nationalen Identität, legt den Vorrang des slowakischen Rechts vor europäischem und internationalem Recht in kulturellen und ethischen Fragen fest. Kritiker warnten, dass die Slowakei damit in Konflikt zu den Vorgaben der EU-Verträge geraten dürfte.
Das Ergebnis der Abstimmung im Nationalrat galt als Überraschung
Einwände gegen den Änderungsentwurf wurden zuvor von Verfassungsrechtsexperten des Europarates sowie von Rechtsexperten in der Slowakei geäußert. Die Venedig-Kommission, ein Beratungsgremium des Europarates, warnte die Slowakei Anfang dieser Woche vor Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität. Sie äußerte auch Vorbehalte gegenüber der vorgeschlagenen Souveränität des Landes, insbesondere in Fragen der nationalen Identität.Premierminister Fico (Smer-Sozialdemokratie) dagegen bezeichnete die Änderungen der Verfassung als Bollwerk gegen den Progressivismus. Der slowakische Präsident hat kein Vetorecht gegen Verfassungsgesetze.
Das Ergebnis der Abstimmung im Nationalrat galt als Überraschung, denn lange Zeit hatte es nicht nach einer Mehrheit für den Entwurf ausgesehen. Letztlich halfen der Regierung auch Abgeordnete der Opposition, vor allem aus der christdemokratischen KDH. Verfassungsänderungen in der Slowakei erfordern die Zustimmung von mindestens 90 der 150 Abgeordneten.
Die Slowakei gilt als relativ stark religiös geprägt
Die Slowakei gilt als relativ stark religiös geprägt. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2021 bekannten sich 55,8 Prozent der knapp 5,5 Millionen Einwohner zum römisch-katholischen Glauben.Kritik an der Verfassungsänderung kam umgehend aus Österreich. Für Mario Lindner, SPÖ-Sprecher für Gleichbehandlung und LGBTIQ+, sei diese ein Frontalangriff auf die Grundwerte der Europäischen Union und des vielfältigen, demokratischen Europas: „Im Stil von Trump und (Ungarns Regierungschef Viktor) Orbán hat sich Ficos Regierung nun gänzlich dem rechten Kulturkampf verschrieben. Auf dem Rücken von Minderheiten wird Politik gemacht, die vom wirtschaftlichen und politischen Versagen der aktuellen Regierung ablenken soll - das ist vollkommen inakzeptabel!“, erklärte Lindner in einer Aussendung.

