Um Mitternacht (Donnerstag 17Uhr MEZ) bestätigten die Behörden den Tod von 83 Menschen. Nach jüngsten Angaben eines Sprechers der Hongkonger Verwaltung wurden noch 58 Verletzte in Krankenhäusern behandelt, zwölf davon schwebten demnach in Lebensgefahr. Es handelt sich um die schlimmste Brandkatastrophe in Hongkong seit 1948. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr durchkämmten die Hochhäuser am Donnerstag weiter auf der Suche nach vermissten Bewohnerinnen und Bewohnern.
Unklar blieb zunächst noch, wie viele Menschen vermisst wurden. Der Regierungschef der chinesischen Sonderverwaltungszone, John Lee, hatte auf einer Pressekonferenz am frühen Donnerstagmorgen von 279 Vermissten gesprochen. Nach Angaben der Feuerwehr konnten einige davon inzwischen aber ausfindig gemacht werden, die Behörden aktualisierten die Vermisstenzahl später nicht.
Nach Angaben der Feuerwehr hatten sich die Flammen aufgrund des Windes und herumfliegender Trümmerteile rasend schnell ausgebreitet. Demnach konnten die Feuerwehrkräfte einige Stockwerke wegen der extrem hohen Temperatur am Brandort zunächst nicht erreichen.
Mehrere Bewohner des Gebäudekomplexes Wang Fuk Court, der fast 2.000 Wohnungen umfasst, sagten, sie hätten keinen Feueralarm gehört. Stattdessen hätten sie von Tür zu Tür gehen müssen, um Nachbarn zu warnen. „Klingeln, an Türen klopfen, die Nachbarn alarmieren, ihnen sagen, sie sollen gehen - so war die Situation“, sagte ein Bewohner.
Zahlreiche Menschen versammelten sich in der Nähe der Wohnanlage zu einer spontanen Hilfsaktion für Bewohner und Feuerwehrleute. Die Behörden richteten Notunterkünfte für die aus den Hochhäusern evakuierten Bewohner ein.
Die Brandkatastrophe löste auch international Bestürzung aus. Papst Leo XIV. äußerte in einer Mitteilung seine „spirituelle Solidarität“ mit allen, die unter dem Brand zu leiden hätten, „insbesondere mit den Verletzten und den trauernden Familien“.
Die Behörden leiteten Ermittlungen zur Ursache des Großbrands in dem Hochhauskomplex ein, der gerade umfassend instandgesetzt werden sollte. Für die Bauarbeiten waren Baugerüste aus Bambus errichtet worden, die mit Kunststoffnetzen umhüllt waren. Die Polizei nahm drei Männer fest, die verdächtigt werden, brennbare Verpackungen auf der Baustelle zurückgelassen zu haben. Ihnen wird demnach „grobe Fahrlässigkeit“ zur Last gelegt.
Hongkongs Anti-Korruptions-Behörde leitete ebenfalls Ermittlungen ein, „um mögliche Korruption im Zusammenhang mit dem Großprojekt zur Renovierung der Wohnanlage Wang Fuk Court“ zu untersuchen.
Die Regierung ordnete zudem eine Überprüfung aller Großbaustellen in Hongkong an. „Die Regierung hat unverzüglich Inspektionen aller Wohnsiedlungen in der Stadt angeordnet, in denen größere Reparaturarbeiten durchgeführt werden, um die Sicherheit von Gerüsten und Baumaterialien zu überprüfen“, erklärte Regierungschef Lee.
Eric Chan, der stellvertretende Leiter der Hongkonger Verwaltung, forderte einen „verpflichtenden“ Übergang von Bambus- zu Metallgerüsten in der gesamten chinesischen Sonderverwaltungszone. Die Verwaltung werde hierbei mit der örtlichen Bauindustrie zusammenarbeiten.
In Hongkong stehen einige der bewohnerreichsten und höchsten Hochhauskomplexe der Welt. Früher gehörten tödliche Feuer zum Alltag, insbesondere in ärmeren Stadtvierteln. In den vergangenen Jahrzehnten wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft, sodass Brände in Wohngebieten heute viel seltener vorkommen.

