Diese Einschnitte sollen sowohl unabhängige Filmproduktionen als auch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, insbesondere die Sparte Rai Fiction, betreffen, die stark auf den sogenannten Tax Credit angewiesen ist.
Die Kürzungen betreffen den Steuergutschriften-Fonds, der vor 17 Jahren eingeführt wurde, um die damals schwächelnde Filmbranche wiederzubeleben. Er ermöglicht Produzenten, bis zu 40 Prozent ihrer Investitionskosten zurückzuerhalten. Die Reduzierung der Fördermittel könnte die Qualität und Quantität der Produktionen beeinträchtigen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der italienischen Filmindustrie gefährden, warnt Alessandro Usai, Präsident des Verbands der Filmproduzenten ANICA.
Tausende Arbeitsplätze gefährdet
Die Branchenverbände erklärten gemeinsam, der Schritt werde tausende Arbeitsplätze gefährden – in einem Sektor, der sowohl für die italienische Wirtschaft als auch für das internationale Ansehen des Landes strategisch wichtig sei. Derzeit sind rund 124.000 Menschen in Italiens Film-, Fernseh- und Rundfunksektor beschäftigt. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Regierung den Fonds um 50 Millionen Euro gekürzt.Die neuen Einschnitte erfolgen zu einem Zeitpunkt, an dem Cinecittà, Europas größtes Filmstudio im Süden Roms, versucht, Italien wieder zu einem filmischen Zentrum zu machen. Bis 2026 soll die Produktionskapazität dort um 60 Prozent steigen.
Kulturminister Alessandro Giuli verteidigte die Kürzungen als Reaktion auf Betrugsfälle in der Branche, bei denen sogenannte „Geisterfilme“ hohe Subventionen erhalten hätten, ohne je produziert worden zu sein. In einem Fall wurde ein Steuerbonus von rund 1 Million US-Dollar einem US-Bürger gewährt, der inzwischen beschuldigt wird, in Rom einen Doppelmord begangen zu haben - für einen Film, der nie existierte.
Einige Filmschaffende sehen hinter den Kürzungen jedoch politische Motive. Mitglieder der Regierungskoalition behaupten häufig, der italienische Kulturbereich - insbesondere der Filmsektor - werde von linken Gegnern dominiert.

