Wie kam es zur Idee dieser Ausstellung?
Astrid Gamper: Die Idee entstand während der FRAUENfeste 2024 in der Festung Franzensfeste. Zwei Monate lang arbeiteten 18 Künstlerinnen in diesen Räumen, die tief von männlich geprägter Geschichte durchdrungen sind. In dem Kontrast zwischen dieser Vergangenheit und kreativer, weiblicher Gegenwart entstanden erste intensive Gespräche. Wir wollten ein Zeichen setzen – gegen Gewalt, gegen das Schweigen, für Sichtbarkeit und Solidarität. Die ersten Entwürfe habe ich gemeinsam mit Esther Erlacher, Kuratorin der FRAUENfeste, gestaltet, immer getragen von dem Gedanken: Künstlerinnen zu unterstützen, Frauen für Frauen also. In weiteren Gesprächen und unter Einbeziehung von Barbara Wielander, der Leiterin des Frauenhausdienstes Brixen, entwickelten wir im Sommer und Herbst 2024 das Konzept, mit dem Ziel, es 2025 umzusetzen.
Was erwartet die Besucher und Besucherinnen und was erhoffen sich die Kuratorinnen und Veranstalter?
Gamper: Ich denke, eine wunderbar vielfältige Ausstellung mit Kunstwerken von 45 Künstlerinnen und Künstlern, die eigens für dieses Projekt ein Werk oder eine Werkreihe zur Verfügung stellten. Vor allem sind es Bilder, Zeichnungen, Fotografien, Collagen und einige skulpturale Werke. Die Arbeiten greifen das Thema nicht auf, die Ausstellung steht vielmehr für Hoffnung, Ausdruckskraft und Vielfalt. Wir wünschen uns natürlich, dass viele der Arbeiten verkauft werden und so ein schöner Erlös dem Frauenhausdienst zur Unterstützung seiner Projekte zugutekommen kann.
Künstler sind im Gegensatz zu Künstlerinnen doch eher spärlich mit Werken vertreten. Wäre es nicht ein Thema, das vor allem Männer angeht?
Gamper: Auf die insgesamt 45 Mitwirkenden nehmen 13 Künstler teil, das ist ein knappes Drittel. Es mag bedeuten, dass Frauen bei diesem Thema sensibler und solidarischer sind, da sie direkt oder indirekt eher von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen sind. Dadurch ist das Thema für viele Künstlerinnen vielleicht persönlicher und emotional näher. Leider werden Themen wie Gewalt an Frauen oder Gleichberechtigung gesellschaftlich immer noch als „Frauenthemen“ wahrgenommen, wodurch sich Männer weniger angesprochen fühlen und distanzieren. Aber Gewalt an Frauen geht uns alle an – wir als Gesellschaft dürfen nicht wegsehen, sondern müssen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Wünschenswert wären natürlich viel mehr männliche Vorbilder, die sich klar und aktiv positionieren. Hinzu kommt, dass das Thema natürlich unangenehme Fragen nach Männlichkeit, Macht und Verantwortung aufwirft.
Inwiefern kann Kunst bestimmte gesellschaftliche Machtverhältnisse verändern?
Gamper: Eine Kunstaktion allein wird Gewalt nicht beenden – aber sie kann Bewusstsein verändern, Gespräche auslösen, Solidarität stärken und politische oder gesellschaftliche Impulse setzen. Oft sind genau solche kleinen Schritte der Anfang größerer Veränderung.
Sie sind dabei
Anna Anvidalfarei, Lois Anvidalfarei, Marlies Baumgartner, Ursula Beiler, Julia Bornefeld, Lothar Dellago, Mirjam Falkensteiner, Karolina Gacke, Astrid Gamper, Ruth Gamper, Marianna Gostner, Urban Grünfelder, Monika Hartl, Kata Hinterlechner, Irmgard Hofer Wolf, Arnold Holzknecht, Erika Inger, Helga Kasseroler, Monika Köck, Hubert Kostner, La Chigi, Ingrid Mair Zischg, Elisabeth Melkonyan, Sissa Micheli, Doris Moser, Elisabeth Oberrauch, Valentyna Pelykh, Petra Polli, Anuschka Prossliner, Paula Regina Prugger, Simon Rauter, Sylvie Riant, Lois Salcher, Karin Schmuck, Peter Senoner, Valeria Stuflesser, Barbara Tavella, Ursula Tavella, Rina Treml, Peter Verwunderlich, Maria Walcher, Bruno Walpoth, Gustav Willeit, Thomas Zelger, Jörg Zemmler.
Termin: Bis 9. November, Festung Franzensfeste – Während dieser Zeit können die Kunstwerke erwor- ben werden. Jede verkaufte Arbeit bedeutet direkte Unterstützung für Frauen und Kinder in Not.
Zudem erzählt im Podcast „FREE! – Die Kraft der Frauen für ein Leben frei von Gewalt“ die Journalistin und Aktivistin Christine Clignon Geschichten von Frauen, die sich aus gewaltvollen Beziehungen befreit haben.

