Montag, 14. Juli 2025

Verschwunden in Farbe: Wenn Menschen mit Mauern verschmelzen

Der Körper als Leinwand, die Altstadt als Bühne: Beim World Bodypainting Festival wurde vergangenes Wochenende Sterzing zum Zentrum täuschend echter Körperkunst. Was wie Magie wirkt, ist das Ergebnis von stundenlanger Präzisionsarbeit: In der Kategorie Camouflage verschmolzen bemalte Körper nahezu unsichtbar mit den historischen Fassaden – und faszinierten Schaulustige wie Jury gleichermaßen.

Entdecken Sie das Model im Bild?

Erstmals machte das Festival, das als Weltmeisterschaft des Bodypaintings gilt, in Sterzing Station. Die Veranstaltung zog rund 20 internationale Künstlerinnen und Künstler an, die ihre Models vor ikonischen Kulissen wie dem Zwölferturm oder auf dem Stadtplatz bemalten – so exakt, dass sie beinahe mit dem Stein oder Mauerwerk zu verschmelzen schienen. Selbst eine Person in traditioneller Südtiroler Tracht wurde zur Projektionsfläche.

Kunst, die Geduld fordert – auch von den Modellen: Rund drei Stunden dauert es, bis ein Körper vollständig in Farbe gehüllt ist. Manche Künstler reisten mit eigenen Modellen an, andere setzten auf spezialisierte Agenturen. Unterstützt wurden sie von freiwilligen Helferinnen und Helfern aus der Region.

Mit dieser Arbeit sicherte sich Florine Colledara den ersten Platz. - Foto: © Daniel Janesch



Gekrönt wurde das Festival durch die Wahl der Weltmeisterin: Die Französin Florine Colledara überzeugte die hochkarätig besetzte Jury – darunter der Südtiroler Bodypainting-Star Johannes Stötter, die Bulgarin Bella Volen und Orena Semenes aus der Ukraine – mit einem Werk, das fast spurlos mit der Umgebung verschmolz.

Platz 2 für Nicola Lodas Camouflage-Kunstwerk. - Foto: © Daniel Janesch



Auf Platz zwei landete Nicola Loda aus Italien, gefolgt von Vanessa La Mouche des Marquises (Frankreich).

Platz3: Eine Frau, die im Gemüseregal verschwindet. - Foto: © Daniel Janesch



Den Publikumspreis sicherte sich Christine Hüttner aus der Schweiz.

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Hinter dem Festival steht eine Vision: Künstlerischer Leiter Alex Barendregt, zugleich Gründer des Festivals, zeigte sich begeistert vom großen Publikumsinteresse. Workshops, Livemusik und eine spontane „Jam Session“ am Samstag rundeten das Festival ab – ein Format, bei dem Bodypainting einmal ohne Wettbewerbsdruck stattfinden durfte.

Was bleibt, sind farbige Eindrücke – und der flüchtige Moment, in dem Menschen und Mauern eins wurden.

jp/stol

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