Samstag, 19. April 2025

Südtiroler Kunst in der Kaiserresidenz von Bad Ischl

Sich selbst treu bleibend und doch immer wieder Neues schaffend: Das ist seit vielen Jahren das Motto der Südtiroler Künstlerin Esther Stocker. Ihre unverkennbaren schwarz-weißen Gitterstrukturen werden in ihrer neuen Ausstellung in Bad Ischl zu Knitterskulpturen.

Die Schlanderser Künstlerin Esther Stocker in ihrer Ausstellung in Bad Ischl. - Foto: © plamberger fotografie GesbR

Der schön renovierte Raum der Stallungen der Kaiservilla, in dem früher die Rösser von Kaiser Franz Joseph untergebracht waren, hat während des Kulturhauptstadtjahres durch Diskussionsveranstaltungen und eine Ausstellung von Weltstar Ai Weiwei viel Publikum angezogen und wird ab Mitte Mai einen Teil der kommenden großen Schau von Erwin Wurm beherbergen. Nun, zur Osterzeit von der Galeristin Petra Seiser bespielt, entfaltet er einen besonderen kontemplativen Reiz.

Die verschieden großen Objekte der Installation wirken wie in den Raum geschleuderte Meteoriten oder wie zerknüllte geometrische Zeichenversuche vom Skizzenblock eines Riesen.

„Der Kontrast zwischen dem historischen Raum und Kunst aus der Gegenwart ist besonders spannend“, meint die 1974 in Schlanders geborene Künstlerin, die seit Jahren in Wien lebt.

„Die unterschiedlichen Größen der Werke sorgen durch ihre ähnliche Optik für Spannung und Einheit zugleich - eine klassische Hierarchie fehlt. Alle Arbeiten liegen am Boden, als wären sie scheinbar zufällig in den Raum hineingerollt oder hineingeworfen worden.“

Der Stoff der Objekte ist bedrucktes PVC, das mittels von Innenkonstruktionen und Füllmaterial seine spezielle Form behält - mit einer Ausnahme. Diese stammt von der in Antwerpen lebenden Salzburger Künstlerin und Modedesignerin Flora Miranda, mit der Stocker seit 2019 zusammenarbeitet. Ihr „Crincle #5“ Kleid ist aus schwarzem Stoff mit weißem Gitter geformt und einer Schaufensterpuppe übergeworfen.

Um seinen Zauber zu entfalten und die Steifheit der liegenden Knäuel mit der fließenden Weichheit des ungewöhnlichen Kleides zu kontrastieren, bräucht es allerdings ein performatives Element - wie in Stockers und Mirandas gemeinsamer Ausstellung „Immaterial Girl“ in Gent im vergangenen Herbst.

Damals wurde die assoziative Verbindung der digitalen Netzwerkstrukturen der Gegenwart mit der Formensprache Josef Hoffmanns besonders hervorgehoben. Diesmal ist eher der Kontrast zur ganz speziellen Atmosphäre der Kaiservilla bemerkenswert: In den Stallungen ist keine einzige Jagdtrophäe zu sehen ...

Rund 30 dieser speziell geschaffenen Objekte sind bis 27. April in Bad Ischl zu sehen.

Auch in Bozen und Brixen hat die Künstlerin ihre Spuren hinterlassen: In Bozen ist die Cocktailbar Fortytwo unverkennbar in ihrem schwarz-weißen Stil gehalten, in Brixen ist der Silo Barth seit 2006 bereits von Weitem zu sehen.

apa

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