„Ich brauchte Zeit, meine Angst zu überwinden“, erklärt die Betroffene, warum sie die Vorwürfe erst vier Jahre später erhoben hat. Sie habe in den vergangenen Jahren zudem keine guten Beobachtungen dazu gemacht, was passiere, wenn sich Frauen beschweren. Nun habe sie aber erreichen wollen, dass ein Mann, der unpassende Dinge getan haben soll, gehen müsse. Ihre Forderungen: der Rücktritt Weißmanns, 25.000 Euro Geldspende an ein Caritas-Frauenhaus, die Übernahme der Anwaltskosten und ein Stillschweigeabkommen.
Der Rücktritt Weißmann erfolgte vor ca. eineinhalb Wochen. Er sah sich jedoch von der ORF-Stiftungsratsspitze, an welche sich die Frau gewandt hatte, dazu gedrängt. ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer betonte wiederum, nur eine Klärung der Fakten von Weißmann verlangt zu haben. Mittlerweile ist Ingrid Thurnher mit der vorläufigen Führung der Geschäfte des Generaldirektors betraut und kündigte an, sich um eine vollständige Aufklärung der Causa zu bemühen.
„Ich wollte eine wirkungsvolle und diskrete Lösung“, erklärt die Betroffene im „Falter“. Mittlerweile seien ihre Opferrechte aber „mit den Füßen getreten“ worden. „Ich wurde diskreditiert, diffamiert, und es wurde mir sogar unterstellt, die von mir gewählte Vorgangsweise aus sachfremden Überlegungen, gar als Werkzeug einer Männerintrige gewählt zu haben“, hält die ORF-Mitarbeiterin fest.
Weißmann bestreitet die Vorwürfe entschieden und sieht seine Rechte ebenfalls massiv verletzt. Es gilt für ihn die Unschuldsvermutung. Er ließ am Freitag über seinen Anwalt mitteilen, dass die Beziehung zu der Frau in beiderseitigem Interesse gewesen sei. Der mittlerweile beurlaubte Medienmanager betonte zudem, dass die Beziehung bereits seit 2019 bestanden haben soll, als er weder Generaldirektor noch ihr Vorgesetzter gewesen sei. Es habe nie irgendeine Form der Druckausübung oder des Machtmissbrauchs gegeben.
Am Dienstag wurde bekannt, dass Weißmann seine Anwälte eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Wien gegen mehrere in die Causa involvierte Personen einbringen lässt. Details dazu sind noch nicht bekannt. Die Frau ließ ihren Anwalt in einem Schreiben an mehrere Medien wie „Standard“ und „Salzburger Nachrichten“ mitteilen, dass sie das als „unangenehm durchsichtiges Ablenkungsmanöver und letztlich als ein weiteres Zeichen jenes Verhaltens, das mich in diese Situation gebracht hat“, betrachte. „Meinem wiederholt kommuniziertem Angebot, die Angelegenheit auf respektvollem Niveau zu lösen, wollte Herr Weißmann nicht nähertreten“, hielt sie fest.
Sie habe dem ORF auch mehrfach angeboten, über ihre Rechtsvertretung ein direktes Gespräch zu führen sowie Informationen und Unterlagen vorzulegen. Mit ihrem Schreiben will die betroffene ORF-Mitarbeiterin sich als Opfer schützen, aber auch „alle Frauen ermutigen, die an ihrem Arbeitsplatz oder in ihrem Umfeld Ähnliches hinnehmen mussten“.

