Die Arbeitsgruppe zur Konzepterstellung des zukünftigen Mehrgenerationenhauses in Bruneck holte sich bei den kürzlich stattgefundenen Besichtigungen der Mehrgenerationenhäuser „Haus im Leben“ in Innsbruck sowie „Haus Guggenberg“ in Brixen viele Inspirationen, Ideen und Erfahrungswerte.
Wohnen anders denken, das ist das Gebot der Stunde! Steigende Mietpreise, Wohnungsmangel, aber auch der demografische Wandel sind nur einige der Hürden, mit denen wir in Zukunft vermehrt konfrontiert sein werden. Sie machen neue Wohnmodelle notwendig. In den Mehrgenerationenhäusern „Haus Guggenberg“ in Brixen und „Haus im Leben“ in Innsbruck ist das Modell des Mehrgenerationenwohnens umgesetzt.
Eines kam bei den Besichtigungen klar zum Ausdruck: Mehrgenerationenwohnen ist mehr als der nostalgische Blick zurück in die Zeit, wo man im Geflecht der Großfamilie aufgehoben war. Es ist eine zeitgemäße Antwort auf viele gesellschaftliche Nöte – darunter auch die Einsamkeit - einer der häufigsten Gründe, warum Menschen beispielsweise im Haus Guggenberg um einen Wohnplatz anfragen.
Nicht umsonst sind Gemeinschaftsräume und Begegnungsflächen in Mehrgenerationenhäusern essenziell. Hier finden Alltag, Interaktion und Austausch statt und zielen darauf ab, das Miteinander zu fördern und einsamen Momenten entgegenzuwirken. Zusammen kochen in der Gemeinschaftsküche, Werkstattgespräche im Hobbyraum, gemeinsames Garteln: Die gemeinschaftlich genutzten Flächen schaffen und fördern gezielt Gelegenheit zur Interaktion unter den BewohnerInnen. Damit einher geht das Prinzip des gegenseitigen Helfens als eine der tragenden Säulen des Mehrgenerationenwohnens. Die „guten Taten“ im Sinne der Gemeinschaft müssen dabei gar nicht mess- oder vergleichbar sein. Wenn alle ihre möglichen 100 % geben, ist die gute Stimmung im Haus gewährt. Für die gute Stimmung in den besuchten Häusern sind außerdem SozialbetreuerInnen bzw. KoordinatorInnen zuständig. Sie sind erste Ansprechpartner für die BewohnerInnen im Haus und haben die Aufgabe der Vernetzung. Sie führen die Gespräche mit NeubewerberInnen, erkennen Konflikte rechtzeitig und lösen sie mit sozialem Geschick und professionellem Wissen. Sie planen aber auch gezielt gemeinschaftliche Aktionen.
Verschiedene Einrichtungen und Dienstleistungen sind sowohl im „Haus Guggenberg“ in Brixen wie auch im „Haus im Leben“ in Innsbruck vorhanden und brechen das Bild der isolierten Wohnungs-Bubble auf. Ob Friseur, medizinische und therapeutische Praxen, KITA oder die Beherbergung von sozialen Projekten: das alles bringt Leben in die Häuser und schafft eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Von Vorteil im Mehrgenerationenhaus ist auch die gemeinsame Nutzung von Ressourcen im besten Sinne und damit die Einsparung von Zeit und Geld.
Baulich sind Bewegungs- und Barrierefreiheit in Wohnungen und Sanitäreinrichtungen ein absolutes Muss, genauso wie Aufzüge und die barrierefreie Erreichbarkeit von Außenflächen. Räumliche Flexibilität soll auch für den Fall von Pflegepersonal oder kurzzeitigen Aufenthalten von Gästen der BewohnerInnen mitgedacht werden. Die Wohnungen selbst sollen Rückzugsorte sein und Privatsphäre bieten. Dafür ist eine Einrichtungsplanung nötig, die Unabhängigkeit in der Abwicklung des Alltags garantiert.
Haus Guggenberg in Brixen, von links: Lukas Neumair, Patrick Psenner, Sabine Kurz, Michaela Grüner, Joachim Kerer (Präsident des Sozialunternehmens Guggenberg GmbH), Barbara Belotti (Koordinatorin im Haus Guggenberg), Ingo Kirchler (Geschäftsführer Haus Guggenberg), Isabel Kammerer, Andres Carlos Pizzinini (Koordinator Haus Guggenberg), Barbara Willimek, Karl Pramstaller, Kristy Milesi, Blandina Fuchs Mahlknecht, Werner Schwienbacher, Christiane Unterkircher, Ursula Mayrl, Sebastian Amhof, Stefanie Bettoni
Haus im Leben in Innsbruck, von links: Barbara Willimek, Patrick Psenner, Sivlia Kamelger, Karl Pramstaller, Christiane Unterkircher, Gertrud Kofler, Erika Oberstaller, Sami Rezgui, Sebastian Amhof, Werner Schwienbacher, Lukas Neumair, Anton Stabentheiner (Geschäftsführer Haus im Leben)
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