Montag, 14. Juli 2025

Die quälende Enge im Rücken besiegen

Rückenschmerzen sind zur Volkskrankheit geworden – doch nicht immer steckt nur eine harmlose Verspannung dahinter. Oft sind strukturelle Veränderungen an der Wirbelsäule die Ursache. Eine davon ist die Spinalkanalstenose: eine Verengung des Wirbelkanals, die auf Nerven drückt und starke Schmerzen, Taubheitsgefühle oder Schwäche in Armen und Beinen auslösen kann. Doch dank moderner Medizin gibt es heute gute Behandlungsmöglichkeiten.

Unter Rückenschmerzen leidet fast jeder hin und wieder. Wenn sie zur Regel werden und den Alltag einschränken, sollte man sie abklären lassen. - Foto: © Shutterstock / shutterstock



„Am häufigsten betrifft es den Bereich der Lendenwirbelsäule“, sagt Dr. Maximilian Broger, Facharzt für Neurochirurgie an der CityClinic in Bozen. „Die Patienten können oft nur kurze Strecken gehen und bleiben dann stehen – ähnlich wie beim Schaufensterbummel. Daher spricht man auch von der ,Schaufensterkrankheit‘.“ Die Spinalkanalstenose ist der häufigste Grund für eine Operation an der Lendenwirbelsäule bei Menschen über 65 Jahren.

Ein schleichender Prozess

Eine Stenose entwickelt sich meist schleichend – außer sie ist angeboren. Ursache sind häufig degenerative Prozesse: „Mit zunehmendem Alter verlieren Bandscheiben an Höhe, Wirbelgelenke verändern sich, Bänder verdicken sich – und verengen so den Raum für die Nerven“, sagt Dr. Marco Baldassa, ebenfalls Facharzt für Neurochirurgie an der CityClinic. Neben altersbedingtem Verschleiß spielen auch frühere Operationen, Unfälle, Infektionen oder systemische Erkrankungen eine Rolle. Übergewicht erhöht zusätzlich das Risiko.

Wer regelmäßig seine Rückenmuskulatur stärkt, Übergewicht vermeidet und in Bewegung bleibt, kann einer Stenose gut vorbeugen.
Dr. Maximilian Broger


Die Beschwerden sind vielfältig: Rückenschmerzen, Taubheitsgefühle, Kribbeln, Muskelschwäche oder ein unsicherer Gang. „Wichtig ist, solche Symptome ernst zu nehmen“, betont Dr. Baldassa. „Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser lässt sich die Stenose behandeln.“
Zur Diagnose reichen häufig bereits eine körperliche Untersuchung und erste bildgebende Verfahren. „Knöcherne Einengungen sind im Röntgen sichtbar“, sagt Dr. Broger. „Die MRT liefert allerdings die genauesten Bilder.“ So können eine Einengung der Nerven oder des Rückenmarks, eine Verschiebung des umgebenden Fettgewebes durch den Druck sowie eine Vergrößerung der Wirbelgelenke oder Bänder sichtbar gemacht werden. Solche Veränderungen kommen jedoch manchmal auch bei beschwerdefreien Personen vor und müssen deshalb immer mit den bestehenden Beschwerden verglichen werden.

Wichtig ist, Symptome ernst zu nehmen. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser lässt sich die Stenose behandeln.
Dr. Marco Baldassa


Behandelt wird zunächst meist konservativ: mit Schmerzmitteln, Physiotherapie, Kortison-Injektionen und Gewichtsreduktion. Erst wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen oder neurologische Ausfälle auftreten, wird operiert. Dabei wird der Wirbelkanal chirurgisch erweitert – die sogenannte Dekompression.

Rückenmuskulatur stärken

Die Erfolgsaussichten sind in der Regel gut – vor allem, wenn die Patienten auch nach der Therapie auf Bewegung und Rückentraining achten. Auch Prävention ist möglich: „Wer regelmäßig die Rückenmuskulatur stärkt, Übergewicht vermeidet und in Bewegung bleibt, kann einer Stenose gut vorbeugen“, sagt Dr. Broger.
Die wichtigste Botschaft: Rückenschmerzen müssen nicht einfach hingenommen werden. „Wer anhaltende oder belastungsabhängige Beschwerden verspürt, sollte sich ärztlich untersuchen lassen“, rät Dr. Baldassa. Die moderne Medizin hat viele Möglichkeiten, um die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität deutlich zu verbessern.

stol

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