Montag, 15. September 2025

Fettleber, die unterschätzte Volkskrankheit

Sie arbeitet still und unermüdlich, doch wenn sie krank wird, bleibt das oft lange verborgen: die Leber. Immer mehr Menschen haben eine Fettleber. Sie entsteht, wenn das Organ zu viel Fett einlagert. Das bleibt oft lange unbemerkt, kann aber ernste Folgen für die Leber haben, erklärt der Facharzt für Gastroenterologie, Dr. Ronald Radmüller.

Durch zu viel Fett kann die Leber vernarben und in der Folge auch Tumorzellen bilden – vor allem anfänglich, ohne Beschwerden zu verursachen. - Foto: © Shutterstock / shutterstock

Von:
Brigitta Willeit

Eine gesunde Leber enthält kaum Fett. Dieses sollte richtigerweise in den Fettzellen gespeichert werden, nicht in den Leberzellen. „Das Problem einer zunehmenden Fetteinlagerung in die Leberzellen ist, dass die Leber dadurch immer anfälliger für Entzündungen und bleibende Schäden wird“, erklärt Dr. Ronald Radmüller, Facharzt für Gastroenterologie an der Martinsbrunn ParkClinic in Meran und der Marienklinik in Bozen.

Die Leber leidet still und leise

Mittlerweile ist die – wie Mediziner sagen – Hepatosteatose so etwas wie eine heimliche Volkskrankheit geworden: Laut Studien dürfte jeder dritte Erwachsene in Europa betroffen sein. „Für Südtirol gibt es zwar keine genauen Zahlen, doch da Übergewicht, Diabetes und Bewegungsmangel auch hier häufig vorkommen, wird die Zahl ähnlich hoch sein“, sagt Dr. Radmüller und nennt damit bereits die Risikofaktoren.

Der Lebensstil, in erster Linie die Ernährungsgewohnheiten, sind nämlich die Hauptursache für eine Fettleber: So ist das metabolische Syndrom – Übergewicht, Bluthochdruck sowie Zucker- und Fettstoffwechselstörungen – für die meisten Erkrankungsfälle verantwortlich. Ein übermäßiger Alkoholkonsum führt auch zu einer Leberverfettung, ist heute aber nicht mehr die Hauptursache für diese Krankheit.

Blutproben reichen nicht zur Diagnose. Viele Menschen haben normale Leberwerte im Blut, obwohl die Leber bereits verfettet ist.
Dr. Ronald Radmüller


Das Tückische an der Krankheit: Der Betroffene merkt in den allermeisten Fällen nichts von seinen Problemen. Manchmal verspürt er ein Druck- oder Völlegefühl im rechten Oberbauch, meistens aber schleicht die Krankheit still und leise voran – und bleibt deshalb auch lange unerkannt.

Wirklich gefährlich wird die Fettleber, wenn sich mit der Zeit Entzündungen und Narben bilden. Im schlimmsten Fall kann dies zu einer Zirrhose oder Leberkrebs führen.

So tückisch wie die Krankheit ist auch die Diagnose: Blutwerte reichen nämlich nicht. „Viele Menschen haben normale Leberwerte im Blut, obwohl die Leber bereits verfettet ist“, sagt Dr. Radmüller. Eine sichere Diagnose liefert deshalb nur die Leberpunktion, also eine Biopsie. Diese wird jedoch nur in speziellen Situationen durchgeführt, etwa um fortgeschrittene Fibrose abzuklären oder andere Erkrankungen auszuschließen.

Ein Ultraschall kann allerdings Fettablagerungen sichtbar machen. „Noch präziser ist die Elastographie“, erklärt der Facharzt. Ein schmerzfreier Ultraschalltest misst, wie fest die Leber ist, und zeigt frühzeitig Narbengewebe. „Das Verfahren dauert nur wenige Minuten und ist völlig ungefährlich.“

Therapie: Lebensstil als Leberretter

Die gute Nachricht: Die Fettleber ist reversibel. Bei Lebensstil- und Ernährungsstiloptimierung kann sie sich völlig zurückbilden. Gewichtsreduktion, mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorn, Fisch und Olivenöl sowie regelmäßige Bewegung. Schon ein Gewichtsverlust von zehn Prozent kann die Lebergesundheit deutlich verbessern. Auch Alkoholverzicht ist ein Plus für die Leber.

Diese Therapie ist dabei auch die beste Vorbeugung einer Fettleber. Entscheidend ist, die Ursachen der Fettleber zu beseitigen – und das hat jeder und jede selbst in der Hand. Vorbeugung und Früherkennung sind entscheidend, sagt Dr. Radmüller. Menschen mit Übergewicht, Diabetes oder Bluthochdruck sollten ihre Leber regelmäßig kontrollieren lassen. „Je früher wir eine Fettleber erkennen, desto besser können wir gegensteuern“, sagt Dr. Radmüller.

wib

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