Das Risiko steigt mit dem Alter: Die Eintrübung der Augenlinse ist meist auf den natürlichen Alterungsprozess zurückzuführen. Man geht davon aus, dass fast jeder der über 65-Jährigen unter einer leichten Linsentrübung leidet, oft ohne spürbare Sehstörungen. Ab dem 75. Lebensjahr nehmen die Einschränkungen der Sehkraft deutlich zu. Weitere Risikofaktoren können bestimmte Medikamente, Diabetes oder auch starke UV-Strahlung sein.
Wirksame Therapie: Eine künstliche Augenlinse
Durch die Eintrübung verliert die Augenlinse nach und nach ihre Klarheit, das Licht wird gestreut, die Netzhaut erhält kein scharfes Bild mehr. „Betroffene berichten von verschwommenem und kontrastarmen Sehen, was im Alltag besonders beim Autofahren oder Lesen störend ist“, erklärt Dr. Paolo Bernardi, Facharzt für Augenheilkunde an der Marienklinik in Bozen.Die Diagnose des Grauen Stars ist meist unkompliziert. Nach einem Gespräch über die Sehbeschwerden überprüft der Augenarzt wie gut die Patientin bzw. der Patient noch in Nähe und Ferne sehen können. Anschließend folgt die Untersuchung mit der sogenannten Spaltlampe, einem speziellen Mikroskop, mit dem sich die Augenlinse stark vergrößert betrachten lässt. So werden selbst feine Trübungen sichtbar.
Zur genaueren Beurteilung wird die Pupille mit Tropfen erweitert, damit auch der hintere Augenabschnitt untersucht werden kann. So erkennt der Arzt, ob zusätzlich andere Erkrankungen wie etwa Veränderungen an Netzhaut oder Sehnerv vorliegen. Liegt die Diagnose vor, ist die einzige wirksame Therapie eine Operation, bei der die körpereigene Linse durch eine künstliche Intraokularlinse ersetzt wird. Zuvor erfolgen weitere Messungen des Auges, um die optimale Kunstlinse auswählen zu können. Alle Untersuchungen werden ambulant durchgeführt, sie sind völlig schmerzfrei.
Der minimalinvasive Eingriff ist aufgrund der Häufigkeit des Grauen Stars ein Routineeingriff in der Augenheilkunde. „Es ist eine Operation mit sehr hoher Sicherheit“, betont der Facharzt. „Die meisten Patientinnen und Patienten sehen schon nach wenigen Tagen deutlich besser.“ Das liegt auch daran, dass heute verschiedenste Kunstlinsen zur Verfügung stehen. Je nach gewähltem Linsentyp kann die Operation nicht nur die Fern- oder Nahsicht wiederherstellen, sondern auch das Sehvermögen im Zwischen- oder Nahbereich verbessern. Die Entscheidung über die passende Linse erfolgt individuell nach der Voruntersuchung.
Gleitsichtlinse für verschiedene Distanzen
Mittlerweile kommen häufig sogenannte EDOF-Intraokularlinsen zum Einsatz. EDOF steht für Extended Depth of Focus, also für erweiterte Tiefenschärfe. „Im Gegensatz zu klassischen Monofokallinsen, die scharfes Sehen nur in der Ferne oder in der Nähe ermöglichen, bieten die EDOP-Linsen eine kontinuierliche Sehqualität von der Ferne bis zur Mitteldistanz“, erklärt Dr. Bernardi. Auch die stufenartigen Übergänge zwischen den Brennpunkten, die Multifokallinsen kennzeichnen, verschwinden. „Patientinnen und Patienten berichten, dass sie beim Autofahren und Fernsehen sehr gut sowie beim Kochen und bei der Bildschirmarbeit viel besser sehen als zuvor“, berichtet Dr. Bernardi. Für Alltagsaktivitäten ist die Sehkraft auch in der Nähe und bei schlechteren Lichtverhältnissen ausreichend, beim Lesen kann eine Brille hilfreich sein.Unbehandelt kann der Graue Star den Alltag zunehmend stark einschränken. Deshalb rät Dr. Bernardi zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen, um die Linseneintrübung rechtzeitig erkennen und behandeln zu können. „Der Graue Star nimmt sehr vielen von uns irgendwann die klare Sicht. Aber die moderne Augenmedizin kann sie uns wieder zurückgeben.“
Gut zu wissen: Vorteile der EDOF-Linse

