Montag, 28. April 2025

Wenn der Darm aus dem Takt gerät

Kauen, schlucken, fertig? Von wegen! Unser Verdauungssystem ist ein hochkomplexes Wunderwerk. 7,5 Meter Hochleistungsstraße für alles, was wir so essen. Da gibt es in Magen und Darm einiges zu tun. Aber nicht immer läuft alles wie am Schnürchen. Das weiß Prof. Dr. Guido Schumacher, Primar der Abteilung Chirurgie am Brixner Krankenhaus. Er erklärt warum man ab 50 genauer hinschauen sollte.

Meistens läuft in unserem Verdauungstrakt alles wie am Schnürchen. Mitunter aber stellen sich Probleme ein, die oft schwere gesundheitliche Auswirkungen haben können. - Video: stol


„Der Magen-Darm-Kanal mit einer Gesamtlänge von rund 7,5 Metern kann viel mehr als wir denken“, sagt Prof. Dr. Guido Schumacher und erklärt: Die Nahrung wird aktiv durch alle Abschnitte vorangetrieben, und dann in entsprechender Weise verarbeitet. Nach dem Kauen und Schlucken zersetzt sie der Magen mit der Magensäure. Im Dünndarm findet die eigentliche Verdauung statt, und die Nährstoffe werden hier aufgenommen. Auch wichtige Hormone werden hier gebildet, ebenso schädliche Keime abgewehrt.

Im Dickdarm wird dem Nahrungsbrei im Wesentlichen Wasser entzogen. Hier befindet sich das Mikrobiom, welches aus ca. 100 Billionen Bakterien, Viren und Pilzen besteht. Eine Vielzahl seiner Funktionen schützen unseren Organismus. Ein Ungleichgewicht des Mikrobioms kann zu Krankheiten führen.

Falls eine Operation notwendig wird, kann diese in aller Regel inzwischen minimalinvasiv, also mit sehr kleinen Schnitten durchgeführt werden, wodurch sich die Patienten wesentlich schneller erholen und auch keine hässliche Narbe am Bauch haben.
Prof. Dr. Guido Schumacher


„Ab dem 50. Lebensjahr sollten wir zur Darmvorsorge gehen, denn der Krebs, der jeden treffen kann, entsteht über die Vorstufen der gutartigen Polypen, die bei einer Spiegelung entfernt werden können“, betont Dr. Guido Schumacher. „Der Krebs entsteht dann also nicht.“

„Wenn jeder Bürger die Vorsorge in Anspruch nehmen würde, hätten wir nur noch 35 Darmkrebs-Fälle pro Jahr in Südtirol. Dann könnten wir von einer seltenen Erkrankung sprechen“, sagt der Primar. Derzeit sind es zehn Mal so viele Erkrankungsfälle.

Typische Beschwerden eines Tumors im Darm sind Blut im Stuhl, Blutarmut, Veränderungen der Stuhlgewohnheit, Bauchschmerzen oder Gewichtsverlust. Sehr häufig bleibt der Krebs jedoch stumm und wird lange nicht entdeckt. Behandelt wird je nach Stadium und Sitz durch eine primäre Operation oder die Vorbehandlung mit Chemotherapie und Strahlentherapie beim Mastdarmkrebs. Danach wird in der Regel operiert, um eine Heilung zu erreichen.
In manchen Fällen verschwindet der Krebs aber nach der Vorbehandlung. Dann wird nicht operiert, sondern engmaschig eine Nachsorge durchgeführt. „Wir nennen das Prinzip ,Watch and Wait‘ – schauen und warten. Wächst der Tumor wieder, wird natürlich operiert wie zuvor geplant. Operiert wird in den allermeisten Fällen minimalinvasiv, also mit kleinen Schnitten. Dadurch erholen sich die Patienten wesentlich schneller und es bleibt auch keine hässliche Narbe am Bauch zurück“, sagt der Primar der Chirurgie-Abteilung in Brixen.

Säure-Alarm: Unangenehmes Sodbrennen

Neben einem Tumor gibt es weitere sehr vielfältige Erkrankungen des Magen-Darm-Kanals, die von einfachen Entzündungen oder Unverträglichkeiten bis hin zu schweren lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Durchbrüchen reichen.

Ein sehr häufiges Problem ist Sodbrennen oder – wie es in der medizinischen Fachsprache heißt – der Reflux. Es ist als Brennen hinter dem Brustbein bekannt. Ausgelöst wird es durch den Rückfluss der Magensäure in die Speiseröhre. Wenn es hin und wieder auftritt, hat es keinen Krankheitswert. Wenn es jedoch häufiger vorkommt – wie bei jedem Vierten bis Fünften von uns – kann es zum Problem werden.
Im Video erklärt Prof. Dr. Guido Schumacher, was man über Reflux wissen muss, wie man das Problem selbst behandeln kann und was Hausärzte und Spezialisten empfehlen.

wib

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