Montag, 13. April 2026

Wenn die Blase schwächelt

Es ist ein Thema, über das kaum jemand spricht und das doch viele betrifft. Ein paar Tropfen beim Husten, plötzlich auftretender Harndrang oder das Gefühl, die Blase nie ganz entleeren zu können: Blasenschwäche gehört für viele Frauen zum Alltag, besonders nach einer Geburt oder mit zunehmendem Alter.

Unangenehm und bei Weitem kein Problem nur im Alter: Blasenschwäche betrifft viele Frauen. - Foto: © Shutterstock / shutterstock


Das Phänomen ist alles andere als selten: Nach einer Geburt sind Schätzungen zufolge rund 30 bis 50 Prozent der Frauen vorübergehend betroffen. Und auch später im Leben nimmt die Häufigkeit deutlich zu: Bereits zwischen 40 und 50 Jahren leidet etwa jede vierte Frau unter Blasenproblemen, bei den über 80-Jährigen sind es rund 40 Prozent.

Die Ursachen sind vielfältig. „Während einer Schwangerschaft wird der Beckenboden stark belastet und gedehnt, was die Blasenmuskeln schwächt“, erklärt Dr. Alberta Dibiasi, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Marienklinik in Bozen und der Martinsbrunn ParkClinic in Meran. Beim Geburtsvorgang können Nerven überdehnt werden, was die Blasenfunktion ebenso beeinträchtigt. Zusätzlich können Wassereinlagerungen im Gewebe den Harnabfluss erschweren.

Bei Blasenschwäche, vor allem bei einer Belastungsinkontinenz, beugen frühzeitiges Beckenbodentraining und eine Lebensstiländerung einer chronischen Muskelschwäche vor. Später hilft oft nur mehr ein chirurgischer Eingriff.
Dr. Alberta Dibiasi, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe


Im Laufe der Jahre kommen weitere Faktoren hinzu. Vor allem der sinkende Östrogenspiegel spielt eine entscheidende Rolle. „Dadurch wird die Schleimhaut von Blase und Harnröhre dünner, trockener und anfälliger für Infektionen“, erklärt Dr. Dibiasi. Gleichzeitig verliert der Beckenboden an Stabilität, was zur Blasensenkung führt. Auch bestimmte Medikamente können Inkontinenzbeschwerden verstärken.

Je nach Ursache und Lebensphase zeigen sich die Probleme unterschiedlich. Nach einer Geburt steht häufig der unkontrollierte Harnverlust im Vordergrund, manchmal kommt es aber auch zu einem Harnverhalt. „Das bedeutet, dass der Urin etwa aufgrund eines Ödems nicht abfließen kann. Die Blase überdehnt sich, was sehr schmerzhaft sein kann“, erklärt die Gynäkologin.

Später im Leben unterscheidet man vor allem zwischen Belastungs- und Dranginkontinenz, wobei Mischformen häufig sind. „Bei der Belastungsinkontinenz tritt Harnverlust bei Husten, Niesen, Lachen oder Treppensteigen auf, weil der Druck im Bauchraum steigt und der geschwächte Beckenboden den Urin nicht mehr halten kann“, verdeutlicht Dr. Dibiasi. Bei der Dranginkontinenz hingegen nimmt die Elastizität der Blase ab, die Füllmenge sinkt und die Frau muss häufiger auf die Toilette. „Andere Ursachen können neurologische Störungen sein, zum Beispiel nach einem Schlaganfall oder Erkrankungen wie Parkinson oder Demenz.“ Bei der überaktiven Blase wiederum kommt es zu unwillkürlichen Muskelzuckungen.

Von Training bis Operation: Die Therapien

Die gute Nachricht: „Wir haben mehrere wirksame Therapien zur Verfügung“, betont die Fachärztin. Entscheidend sei vor allem, früh aktiv zu werden und die Beschwerden abklären zu lassen.

Nach der Geburt steht zunächst das Beckenbodentraining im Mittelpunkt. Dadurch kann die Muskulatur wieder aufgebaut und die Blase stabilisiert werden. Viele Frauen beginnen bereits kurz nach der Entbindung mit einfachen Übungen:
- Anspannen der Vagina im Liegen und Sitzen
- Anspannen des Beckenbodens beim Ausatmen
- Im Liegen die Fersen abwechselnd in die Matratze drücken

„Nach etwa acht Wochen kann mit der Rückbildungsgymnastik begonnen werden, um Bauch-, Rumpf- und Beckenbodenmuskulatur gezielt zu stärken“, erklärt Dr. Alberta Dibiasi. Sie empfiehlt, sich die Übungen von einem Physiotherapeuten bzw. einer Physiotherapeutin zeigen zu lassen.

Feste Toilettenzeiten

Bei Entleerungsstörungen kann es helfen, feste Toilettenzeiten einzuhalten, um die Blase nicht zu überdehnen. Gleichzeitig werden die Abstände zwischen den Toilettengängen schrittweise verlängert, um die Blase wieder an ein größeres Fassungsvermögen zu gewöhnen. „Bei anhaltenden Beschwerden kann die Beckenbodenmuskulatur zusätzlich durch elektrische Impulse oder Biofeedback stimuliert werden“, erklärt die Fachärztin.
Im Alter hänge die Therapie von Art und Ursache der Blasenstörung ab. Bei einer leichten Belastungsinkontinenz kann gezieltes Beckenbodentraining schon ausreichend sein. Auch eine Gewichtsabnahme entlastet den Beckenboden. „Hilfreich ist zudem, schweres Heben zu vermeiden, den Konsum von Kaffee und Alkohol einzuschränken und abends weniger zu trinken“, erklärt Dr. Dibiasi.

Medizinische Hilfe

Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kommen medikamentöse Therapien zum Einsatz, die den Schließmuskel stärken oder eine überaktive Blase beruhigen. Auch hormonelle Veränderungen können behandelt werden: Lokale Östrogenpräparate stabilisieren die Schleimhaut von Blase und Harnröhre und machen sie widerstandsfähiger. Bei Blasensenkungen können mechanische Hilfsmittel wie ein Pessar eingesetzt werden.
Bleiben die Beschwerden bestehen, stehen zusätzliche Optionen zur Verfügung, etwa Injektionen zur Stabilisierung der Harnröhre, der Einsatz von Botulinumtoxin zur Entspannung der Blasenmuskulatur oder operative Eingriffe, bei denen die Harnröhre gestützt oder die Blase angehoben wird.
„Je früher wir ansetzen, desto besser sind die Erfolgschancen“, sagt Dr. Dibiasi. „In frühen Stadien lassen sich Beschwerden oft gut in den Griff bekommen – später sind chirurgische Eingriffe häufiger notwendig.“

wib

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