Samstag, 7. März 2026

500 Faschisten, 5000 Gegner – und fast 94 Ausreden

„Es war ein starkes Zeichen. Als vor einer Woche rund 500 aus dem oberitalienischen Raum zusammengekarrte Faschisten in Bozen für einen äußerst fragwürdigen Gesetzentwurf zur ,Remigration' demonstrierten, stellten sich ihnen – je nach Quelle gibt es unterschiedliche Zahlen – zwischen 3.000 und 5.000 Gegendemonstranten entgegen.“ Ein Kommentar von Chef von Dienst, Klaus Innerhofer.

Klaus Innerhofer: „Es ist heute wie zu Zeiten des Sandwirts.“ - Foto: © ÖA / jaidermartina

Dies war kein Aufmarsch der „radikalen Linken“, wie er auch von deutschpatriotischen Kreisen umzudeuten versucht wurde, sondern ein klares Bekenntnis der Südtiroler Zivilgesellschaft gegen Fremdenfeindlichkeit, Hass und Hetze – mit diversen Vertretern aus Politik und Kirche, denen man keine Lotta-Continua-Vergangenheit unterstellen kann.

Apropos Deutschpatrioten: Zum Glück fand etwa zeitgleich zu den Bozner Aufmärschen im Pustertal die Begräbnisfeier für den Südtirolaktivisten Siegfried Steger statt, den letzten der sogenannten „Puschtra Buibm“. Sonst hätte sich der eine oder andere Teilnehmer wohl in einem Gewissenskonflikt befunden, ob er nicht doch beim Zug der 500 in der Landeshauptstadt mitmarschieren soll.

Denn die „berechtigten Anliegen der Remigrations-Befürworter“ würde man schon teilen, ließ man in Stellungnahmen zaghaft durchblicken; bloß die Farbe der „Pfoad“ der Demonstranten – dieses leuchtende Tiefschwarz – dürfte die meisten dann doch davon abgehalten haben, sich mit der italienischen extremen Rechten zu solidarisieren.

Es geht um eine einzige Familie pro Gemeinde, und meines Wissens sind das keine Kriminellen, die da zwangsbeherbergt werden müssen, sondern Geflüchtete im Sinne internationaler Konventionen.
Klaus Innerhofer


Wie viele Südtiroler Bürgermeister an der Seite von Landeshauptmann Arno Kompatscher bei der Gegendemo mitmarschiert sind, ist nicht erhoben. Allzu viele werden es wohl nicht gewesen sein, angesichts der breiten Ablehnung aus ihren Reihen, in 94 Gemeinden eine (!) Flüchtlingsfamilie aufzunehmen, um die Landeshauptstadt Bozen zu entlasten.

Wohlgemerkt: Es geht um eine einzige Familie pro Gemeinde, und meines Wissens sind das keine Kriminellen, die da zwangsbeherbergt werden müssen, sondern Geflüchtete im Sinne internationaler Konventionen. Empfinde nur ich das als extremes Armutszeugnis und ein Musterbeispiel für mangelnde Solidarität? Wo wir doch sonst bei jeder Andreas-Hofer-Feier unsere „Tiroler Werte“ hochhalten: Gemeinschaftssinn, Opferbereitschaft, füreinander einstehen.

Es ist heute wie zu Zeiten des Sandwirts: Da gibt es die einen, die reden, und die anderen, die handeln. Oder, um es anders zu sagen: Aufmärsche wie die Gegendemo in Bozen sind schön und wichtig, doch sie wirken hohl und heuchlerisch, wenn ihnen keine Taten folgen.

klaus.innerhofer@athesia.it

stol

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