Gründung nach dem Krieg
Die Südtiroler Volkspartei (SVP) wurde am 8. Mai 1945 ins Leben gerufen – unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus einer antifaschistischen und anti-nationalsozialistischen Bewegung heraus.Ihr Ziel war klar: die Interessen der deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerung in Italien zu vertreten und deren kulturelle Identität zu sichern. Als Sammelbewegung vereinte sie Bauern, Arbeitnehmer, Unternehmer und Intellektuelle – eine Vielfalt, die Stärke und Reibungsfläche zugleich darstellte.
Autonomie im Ringen zwischen Rom und Wien
Ein erster Schritt war das Pariser Abkommen von 1946, das Österreich als Schutzmacht Südtirols anerkannte und Italien zur Gewährung von Autonomie verpflichtete. Doch das Erste Autonomiestatut von 1948 blieb hinter den Erwartungen zurück: Südtirol blieb eng an die Region Trentino-Südtirol gebunden und die autonomen Kompetenzen für Südtirol waren wenige – zu wenige.Hier trat Silvius Magnago auf den Plan. Der Jurist, ab 1957 SVP-Obmann, brachte mit seinem Ruf „Los von Trient!“ die zentrale Forderung auf den Punkt: Südtirol müsse eigenständig verwaltet werden.
Der lange Weg zum Zweiten Autonomiestatut
Die „Feuernacht“ 1961 mit Sprengstoffanschlägen lenkte internationale Aufmerksamkeit auf die ungelöste Südtirolfrage. Magnago setzte dennoch auf Diplomatie.Mit zähen Verhandlungen gelang 1972 der Durchbruch: Das Zweite Autonomiestatut übertrug weitreichende Kompetenzen direkt an die Provinz Bozen. Magnago gilt seither als „Vater der Autonomie“.
Durnwalder als Ausbauer der Autonomie
Von 1989 bis 2014 prägte Luis Durnwalder die Politik Südtirols, Obmann der Südtiroler Volkspartei war er aber nie. Während Magnago der Architekt war, wurde Durnwalder zum pragmatischen Verwalter. Ein Schlüssel war die Streitbeilegungserklärung von 1992 zwischen Wien und Rom, die den Autonomiekonflikt offiziell beendete.Unter Durnwalder entwickelte sich Südtirol zu einer der wohlhabendsten Regionen Europas. Sein Politikstil war volksnah, aber auch geprägt von einem klientelistischen System, das die Dominanz der SVP festigte.
Aufbruch in eine neue politische Landschaft
2014 wurde eine neue politische Ära eingeleitet – Philipp Achammer wurde Obmann der Südtiroler Volkspartei und Arno Kompatscher Landeshauptmann von Südtirol. Die SVP muss seitdem Koalitionen eingehen, da ihr Alleinvertretungsanspruch bröckelt. Neue politische Mitbewerber haben das System pluraler gemacht. Dennoch bleibt die SVP das politische Rückgrat des Landes.Gleichzeitig wurde die Partei in den vergangenen Jahren zerrüttet von internen Graben- und Flügelkämpfen – und den darauffolgenden Stimmen- und Mandatsverlusten bei den Landtagswahlen 2023.


