Freitag, 16. Januar 2026

Digitale Souveränität: „Erstes Ja im Landtag, Südtirol bleibt jedoch abhängig“

Über die Wichtigkeit digitaler Souveränität war man sich gestern im Landtag einig, über den Weg dorthin nicht ganz: So wurde einer von sieben Punkten eines Beschlussantrags vom Team K zum Thema angenommen. Im Rahmen seiner IT-Strategie will das Land künftig also zunehmend auf europäische Plattformen setzen, anstatt auf die Tech-Giganten aus den USA. „Es wurde ein Schritt in die richtige Richtung gemacht“, kommentiert der Erstunterzeichner des Antrags, Paul Köllensperger.

Paul Köllensperger. - Foto: © Team K

Es war ausschließlich der erste Punkt des Beschlussantrags, der angenommen wurde. Weitere Aspekte, wie etwa die Förderung digitaler Kompetenz in der Schule oder die ausschließliche Datenhaltung in Europa, wurden indes abgelehnt.

„Es ist positiv, dass künftig stärker auf europäische Plattformen gesetzt werden soll. In der Praxis jedoch wird soeben die starke Abhängigkeit von Microsoft weiter vertieft. Gerade in diesen Monaten zementieren wir diese Entscheidung, wodurch jede spätere Kursumkehr immer komplexer und kostspieliger wird“, erklärt der Landtagsabgeordnete Paul Köllensperger (Team K).

Worauf warten wir also noch?
Paul Köllensperger


Auf ausländische Plattformen zu setzen, führe zu einem Abfluss von Mitteln für Investitionen. „Wir haben eine Informatikuniversität in Bozen, warum also nicht ein Kompetenzzentrum für digitale Souveränität aufbauen und unseren jungen Leuten ermöglichen, hier an interessanten Projekten zu arbeiten? Wir fordern von der Landesregierung ein wenig Mut und Fantasie. Wir sprechen von Brain Gain – worauf warten wir also noch?“, meint Köllensperger.

So bilden wir keine digital souveränen Bürger aus.
Paul Köllensperger


Dass der Vorschlag zur digitalen Bildung in Schulen nicht angenommen wurde, bedauert er. „Im italienischen Schulwesen gibt es seit über zwanzig Jahren hochwertige, vielfach ausgezeichnete Open Source Lösungen wie FUSS“, sagt er.

„Und dennoch setzt man weiterhin fast ausschließlich auf Microsoft Office – sogar für Schülerinnen und Schüler. So bilden wir keine digital souveränen Bürgerinnen und Bürger aus, sondern abhängige Nutzer. Wenn wir junge Menschen wirklich auf eine sich wandelnde Welt vorbereiten wollen, muss digitale Souveränität zu einem Unterrichtsinhalt werden und darf kein bloßes Schlagwort bleiben.“

stol

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