Donnerstag, 1. Mai 2025

Wahlkampf geht in den Endspurt – Ein kleiner Einblick

Der Wahlkampf für die Gemeindewahlen an diesem Sonntag geht dem Ende zu und dementsprechend wollen sich noch einmal viele Kandidaten der verschiedenen Parteien in verschiedenen Gemeinden in Szene setzen. Wir haben einige Wahlkampfauftritte der vergangenen Tage für Sie zusammengefasst.

Landeshauptmann Arno Kompatscher (links) mit dem Bürgermeister-Kandidaten von Kaltern Christoph Pillon (Mitte) und dem Alt-Bürgermeister von Kaltern, Wilfried Battisti Matscher (rechts).

In Kaltern, wo es heuer besonders spannend werden dürfte, war am gestrigen Mittwoch Landeshauptmann Arno Kompatscher zu Gast, um den SVP-Bürgermeister-Kandidaten Christoph Pillon zu unterstützen.

Speicherbecken: Standortfrage unter Einbezug der Bevölkerung klären

Vor allem die Diskussion um die geplanten Speicherbecken war Thema gestern. „Bei der Frage, wo und in welcher Größe neue Speicherbecken entstehen sollen, setzen wir auf eine tragfähige Lösung – und zwar unter Einbezug der Bürgerinnen und Bürger“, sagte Pillon.

Gestützt wurde seine Aussage vom Landeshauptmann, der bekräftigt: „Oft müssen beide Seiten einen kleinen Schritt zurück machen, damit sie das Wesentliche sehen und gemeinsam eine Lösung finden, die die beste fürs Dorf ist“.

„Das umstrittenste aller Becken, jenes im Altenburger Wald neben dem Friedensweg, wird mit Sicherheit nicht gebaut“, sagte Pillon. „Grundlage dafür ist der gemeinderätlich genehmigte Beschlussantrag vom 24. März 2025, eingebracht von der SVP und mehrheitlich beschlossen“, so Pillon.

Elly Schlein in Bozen: „Heilen wir gemeinsam die Wunde namens Wahlenthaltung“

In einer energiegeladenen Rede in Bozen präsentierte sich Elly Schlein, die Vorsitzende des Partito Democratico (PD), kämpferisch und selbstbewusst. „Testa a testa con la destra? Noi siamo qui per vincere. Lo faremo, tranquilli“ – Kopf-an-Kopf mit der Rechten? Wir sind hier, um zu gewinnen. Und wir werden es tun, keine Sorge, sagte sie.

Schlein machte klar, worum es ihr im bevorstehenden Urnengang geht: um die Verteidigung eines Lebensmodells, das auf Integration, Solidarität und sozialen Rechten basiert. Sie rief die Bevölkerung eindringlich auf, zur Wahl zu gehen: „Heilen wir gemeinsam die Wunde namens Wahlenthaltung.“

Elly Schlein und der Bozner PD-Kandidat Juri Andriollo - Foto: © DLife/Dametto



Schlein betonte die Erfolge der Mitte-Links-geführten Stadtregierung von Bozen, insbesondere bei der Lebensqualität, und warnte vor Versäumnissen im sozialen Bereich: „Vier Millionen Arbeitnehmer warten auf neue Tarifverträge. Wie lange noch? Und was ist mit dem Mindestlohn?“ Auch das Thema Wohnen brannte ihr unter den Nägeln: Es brauche neue Maßnahmen zur Mietdeckelung, um junge Menschen und Familien in Bozen zu halten.

Salvini in Bozen: „Offene Türen für Flüchtlinge, aber Rückführungen für Straftäter“

Italiens Verkehrsminister und Lega-Chef Matteo Salvini hat am Dienstag Bozen besucht. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Kaiserau sprach er sich für ein entschlossenes Vorgehen in der Migrations- und Sicherheitspolitik aus – mit klaren Botschaften für Unterstützer und Kritiker gleichermaßen.

Matteo Salvini bei seinem Auftritt in Bozen. - Foto: © DLife



„Die Türen stehen offen für jene, die vor dem Krieg fliehen und in Bozen arbeiten und leben möchten. Aber für Straftäter braucht es ein Abschiebezentrum (Cpr) – wir haben keinen Platz für Kriminelle“, so Salvini vor rund 300 Zuhörern auf dem Anita-Pichler-Platz.

Matteo Salvini auf der Bühne in Kaiserau. - Foto: © DLife



Begleitet wurde er unter anderem vom Bürgermeisterkandidaten des Mitte-rechts-Bündnisses Claudio Corrarati sowie vom Lega-Spitzenkandidaten Roberto Selle.


Am Abend stattete Salvini dem Bozner Gefängnis einen Besuch ab und traf sich mit dem Gefängnisdirektor sowie mit Beamten der Justizwache. Der Tag endete mit einem gemeinsamen Pizzaessen mit Parteimitgliedern.

Lollobrigida in Bozen: „Wir glauben an die Autonomie“

Am Dienstagabend reiste zudem Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida (FdI) nach Bozen. Er betonte die enge Zusammenarbeit der Regierung in Rom mit Südtirol und verwies auf die kürzlich geschlossene Vereinbarung zwischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Landeshauptmann Arno Kompatscher. „Wir glauben an die Autonomie und wollen sie aktiv gestalten“, so Lollobrigida.

Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida bei seinem Besuch in Bozen. - Foto: © DLife



Eine mögliche Zusammenarbeit mit der Südtiroler Volkspartei (SVP) auf Gemeindeebene schloss Lollobrigida dabei nicht aus: „Wir teilen heute viele pragmatische Positionen zur Realität in Bozen und Südtirol – in Sachen Tradition, Territorium und Europa.“

Zingaretti in Bozen: „Diese Autonomie tut dem Land gut“

Mit prominenter Unterstützung ging auch der Wahlkampf des Mitte-links-Bündnisses in Bozen in die heiße Phase: Am Dienstagabend war Nicola Zingaretti, Europaabgeordneter und ehemaliger Präsident der Region Latium, bei einem Abendessen mit über 100 Unterstützerinnen und Unterstützern in der Zone Pfarrhof zu Gast.

Nicola Zingaretti bei seinem Besuch in Bozen. - Foto: © DLife



Gemeinsam mit dem Bürgermeisterkandidaten Juri Andriollo und dem Südtiroler PD-Sekretär Carlo Bettio setzte er ein klares Zeichen: „Bozen braucht Juri als Bürgermeister – für eine solidarische Stadt mit klaren Werten“, so Zingaretti.

Kritik an geplanter „differenzierter Autonomie“

Zingaretti ging auch auf die politische Lage in Italien ein, insbesondere auf die anstehende Debatte rund um die Autonomiereform. Dabei stellte er sich klar hinter die Südtiroler Autonomie: „Diese Form der Autonomie, wie sie historisch gewachsen ist, ist sinnvoll und wichtig für die Regionen.“ Gleichzeitig kritisierte er die von der Regierung in Rom angestrebte „differenzierte Autonomie“, die laut ihm „zersetzend“ wirke und die Einheit Italiens gefährde: „Während Europa über mehr Zusammenhalt spricht, diskutieren wir über Spaltung.“

Auch die Vergabe der Autobahnkonzession war Thema. Zingaretti sprach von einem „schlechten Management“ auf nationaler Ebene und kritisierte, dass die EU Probleme in Südtirol ausbaden müsse: „Wir können nicht erwarten, dass Brüssel die Versäumnisse Roms deckt.“

stol

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