Samstag, 13. Dezember 2025

Festnahme iranischer Friedensnobelpreisträgerin verurteilt

Die erneute Festnahme der iranischen Friedensnobelpreisträgerin und Menschenrechtsaktivistin Narges Mohammadi ist international auf scharfe Kritik gestoßen. Das norwegische Nobelkomitee forderte am Samstag ihre sofortige Freilassung. Auch bei internationalen Menschenrechtsorganisationen stieß das Vorgehen der iranischen Behörden gegen Mohammadi auf Kritik.

Mohammadi soll körperliche Gewalt zugefügt worden sein. - Foto: © APA/NARGES MOHAMMADI FOUNDATION / -

Ihrer französischen Anwältin Chirine Ardakani zufolge wurde die 53-Jährige am Freitag bei einer Gedenkfeier für den unter verdächtigen Umständen gestorbenen Anwalt Chosrow Alikordi in der Stadt Mashhad festgenommen. Eine Bestätigung der iranischen Behörden lag zunächst nicht vor. Ardakani erklärte auf X, ihre Mandantin sei vor ihrer Festnahme geschlagen worden. Ein Video, das Mohammadi ohne den vorgeschriebenen Schleier auf einem Auto stehend mit einem Mikrofon zeigen soll, verbreitete sich in den sozialen Medien. Darin ruft sie der Menge zu: „Lang lebe der Iran.“ Berichten in sozialen Medien zufolge ist ihr Aufenthaltsort unbekannt.

Der Gouverneur von Mashhad, Hassan Hosseini, sagte dem iranischen Staatsfernsehen am Freitag, die Staatsanwaltschaft habe die vorübergehende Inhaftierung mehrerer Teilnehmer der Zeremonie angeordnet. Er nannte Mohammadi jedoch nicht namentlich.

„Auf brutale Weise festgenommen“

Das norwegische Nobelkomitee, das den Friedensnobelpreis vergibt, hatte am Freitag mitgeteilt, dass Mohammadi „auf brutale Weise“ festgenommen worden sei. Es forderte die iranischen Behörden auf, „unverzüglich den Aufenthaltsort Mohammadis zu klären, ihre Sicherheit und Unversehrtheit zu gewährleisten und sie bedingungslos freizulassen“.

Auch Regierungen verurteilten die Gefangennahme, darunter die deutsche. Die gewaltsame Festnahme von Mohammadi und weiterer Aktivistinnen im Iran bei einer Trauerfeier sei „zutiefst beunruhigend“, erklärte das Auswärtige Amt in Berlin auf der Online-Plattform X. „Der Einsatz für Menschenrechte und Meinungsfreiheit darf niemals kriminalisiert werden.“

Mohammadi erhielt 2023 den Friedensnobelpreis für ihren drei Jahrzehnte währenden Einsatz für die Rechte der Frauen und die Abschaffung der Todesstrafe im Iran. Sie verbüßte mehrere Haftstrafen, unter anderem wegen der Verbreitung von Propaganda gegen die Islamische Republik. Ende vergangenen Jahres wurde Mohammadi aus dem Teheraner Evin-Gefängnis entlassen, nachdem ihre Haftstrafe zur medizinischen Behandlung ausgesetzt worden war.

Bei Gedenkfeier festgenommen

Ihre Festnahme erfolgte einen Tag nach der Ankunft der diesjährigen Friedensnobelpreisträgerin, der Venezolanerin Maria Corina Machado, in Norwegen. „Angesichts der engen Zusammenarbeit zwischen den Regimen im Iran und in Venezuela stellt das norwegische Nobelkomitee fest, dass Frau Mohammadi genau zu dem Zeitpunkt festgenommen wurde, als der Friedensnobelpreis an die venezolanische Oppositionsführerin Maria Corina Machado verliehen wurde“, erklärte das Nobelkomitee in Oslo.

Die Gedenkfeier, bei der Mohammadi festgenommen wurde, galt dem Menschenrechtsanwalt Khosrow Alikordi, der am 5. Dezember im Alter von 46 Jahren tot in seinem Büro aufgefunden wurde. Die Behörden gaben als Todesursache einen Herzinfarkt an. Menschenrechtsgruppen fordern jedoch eine Untersuchung seines Todes.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen teilte mit, bei der Gedenkfeier seien auch vier Journalisten und weitere Teilnehmer festgenommen worden. Gouverneur Hosseini begründete die Festnahmen mit „normverletzenden“ Parolen. Die in den USA ansässige Organisation Human Rights Activists News Agency (HRANA) teilte mit, die Menge habe auch „Tod dem Diktator“ gerufen, eine Anspielung auf den Obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei.

apa

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