Mit der neuen Verteilstrategie will die israelische Regierung nach eigenen Angaben verhindern, dass die Hamas Lieferungen abgreift und Geld damit macht. Die Hamas weist diese Vorwürfe zurück. Sie erklärte, sie schütze Hilfskonvois vor bewaffneten Plünderern. Die Vereinten Nationen und andere Organisationen kritisieren den Plan, weil er für viele Menschen weite Wege bedeutet - und sie dabei im Kriegsgebiet beschossen werden könnten. Für Alte und Kranke könnte der Weg unmöglich sein.
Am Sonntag war der Leiter der Stiftung zurückgetreten. Jake Wood, ein ehemaliger US-Soldat, hatte das damit begründet, dass die Organisation die Grundsätze von Menschlichkeit, Neutralität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit nicht einhalten könne.
Die Stiftung teilte weiter mit, am Dienstag sollten weitere Lastwagen mit Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern ankommen. Die GHF kritisierte auch den Boykottaufruf der Hamas gegen die Verteilzentren: „Es ist klar, dass sich die Hamas durch dieses neue Betriebsmodell bedroht fühlt und alles in ihrer Macht Stehende tun wird, um es scheitern zu lassen“, hieß es.
Die Hamas hatte behauptet, der neue Mechanismus sei eine nachrichtendienstliche Operation, die darauf abziele, Informationen zu sammeln und eine interne Spaltung herbeizuführen. Israel setze Lebensmittel als Kriegswaffe ein.
Die Stiftung habe keine Angaben dazu gemacht, wie viel verteilt worden sei, sie habe allerdings Fotos von Bewohnern veröffentlicht, die mit Paketen davongingen, hieß es unter anderem in der „Times of Israel“ und der „Jerusalem Post“. Ein Vertreter jeder palästinensischen Familie solle alle fünf Tage zu einem der Zentren gehen, um ein Hilfspaket abzuholen, hieß es. Es wird erwartet, dass das GHF in den ersten Wochen nur 60 Prozent der Bevölkerung ernähren kann, wie der Sender CNN berichtete.
Kurz zuvor hatte es in Israel Medienberichte darüber gegeben, dass sich die Eröffnung eines Verteilzentrums wegen logistischer Schwierigkeiten verzögere - und damit auch der Beginn des von der israelischen Regierung eingesetzten neuen Mechanismus. Die Nachrichtenseite „ynet“ berichtete etwa unter Berufung auf israelische Regierungsbeamte, es handle sich um die Hauptverteilstelle der Hilfe und um die erste von mehreren, die ihren Betrieb aufnehmen sollten. Offizielle Informationen lagen dazu nicht vor.
Der vom Krieg ohnehin schon weitgehend zerstörte Gazastreifen war zuletzt von Israel über Wochen abgeriegelt worden. Erst vor einigen Tagen durften wieder Nahrungsmittel in den Küstenstreifen gebracht werden. Diese konnten nach UNO-Angaben aber nicht verteilt werden, weil Israel keine sicheren Durchfahrtkorridore bereitstellen wollte. Beobachter haben gewarnt, eine halbe Million Menschen seien vom Hungertod bedroht - ein Viertel der Bevölkerung in der Enklave.

