Dienstag, 7. April 2026

„Luis, wir werden uns nicht mehr oft grüßen“ – Durnwalder erinnert an Peter Brugger

Zum 40. Todestag von Peter Brugger erinnert sich Altlandeshauptmann Luis Durnwalder im Gespräch mit STOL an einen engen Freund, politischen Wegbegleiter und prägenden Ratgeber. Er spricht über Bruggers Einfluss auf sein eigenes Leben, die dramatischen Momente rund um die Paketschlacht von 1969 – und über einen Satz, den er nie vergessen wird.

Peter Brugger (rechts) als Brautführer von Luis Durnwalder (links) und Gerda Furlan (Mitte) im Jahr 1972.

Von:
Arnold Sorg
STOL: Herr Durnwalder, am 6. April hat sich der Todestag von Peter Brugger zum 40. Mal gejährt. Wie haben Sie ihn persönlich erlebt – was für ein Mensch und Politiker war er?
Luis Durnwalder: Mit Peter Brugger verband mich eine lebenslange Freundschaft, und ich habe ihm auch sehr viel zu verdanken – vor allem Entscheidungen, die für mein Leben nicht nur wichtig, sondern ausschlaggebend waren.

STOL: Nämlich?

Durnwalder: Dass ich nach Wien ging, um dort Landwirtschaft zu studieren, ist darauf zurückzuführen, dass Brugger zu meinem Vater, der ihn gut kannte, sagte: „Wenn der Luis nicht Pfarrer wird, dann soll er nach Wien gehen, um Landwirtschaft zu studieren, denn wir brauchen in Südtirol Fachleute in diesem Bereich, um die autonomen Befugnisse umzusetzen.“ Brugger war für die Entwicklung der Landwirtschaft in Südtirol äußerst wichtig. Ich war also schon familiär mit ihm verbunden, später dann auch politisch. Brugger war Landesrat für Landwirtschaft, ich war Bauernbund-Direktor, und er war immer ein sehr sachlicher, verlässlicher und ehrlicher Ratgeber.

STOL: Bei der sogenannten Paketschlacht im Kursaal im Jahr 1969, als im Rahmen der SVP-Landesversammlung über das Autonomie-Paket abgestimmt wurde, standen Sie auf der Seite von Peter Brugger und nicht auf jener von Silvius Magnago. Wie wir wissen, hat sich Magnagos Linie knapp durchgesetzt. Was hat Sie damals an Bruggers Position überzeugt?

Durnwalder: Im Jahr 1969 habe ich von der Politik wenig bis gar nichts verstanden; ich war damals nur Bürgermeister von Pfalzen und Bauernbund-Direktor. Peter Brugger war in dieser Zeit mein großes Vorbild – einerseits, weil er aus dem Ahrntal kam und im Pustertal politisch richtungsweisende Entscheidungen getroffen hatte. Damals hieß es: Im Pustertal fällt kein Blatt vom Baum, wenn es Brugger nicht will. Andererseits hatte Peter Brugger auch rhetorisch eine äußerst überzeugende und glaubwürdige Art. Er war der Meinung, dass die im Paket vorgesehenen Maßnahmen zu wenig seien. Daher habe ich 1969 in Meran für ihn und gegen Magnago sowie gegen das Paket gestimmt.

STOL: Wie ist er mit politischen Gegnern umgegangen?
Durnwalder: Peter Brugger hat immer zu seinen Versprechen gestanden. Nach der Abstimmung 1969 gab es zwischen ihm und Silvius Magnago den berühmten Handschlag, und Brugger war daraufhin zur Stelle und half mit, das Paket abzuschließen und umzusetzen. Er hat die Abstimmung zwar verloren, aber die Mehrheitsentscheidung akzeptiert und sich nicht quer gestellt – ganz im Gegenteil: Er stellte sich in den Dienst der Sache und unterstützte Magnago.

STOL: Also ein aufrechter Demokrat?
Durnwalder: So ist es. Brugger war ein authentischer, wortgewaltiger Ahrntaler Politiker, der allein durch seine Sprache und seine Reden die Menschen überzeugen konnte. Und er war mir ein guter Freund.

STOL: Gibt es einen Moment, an den Sie sich besonders gut erinnern?
Durnwalder: Es gibt viele Momente – Brugger war ja auch Brautführer bei meiner Hochzeit. Aber ein trauriger Moment ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Es war, als wir auf dem Weg zu einer Parteileitungssitzung waren. Da sagte Brugger zu mir: „Du Luis, wir werden uns nicht mehr oft grüßen. Ich habe Bauchspeicheldrüsenkrebs und maximal noch ein halbes Jahr zu leben.“ Das hat mich zutiefst erschüttert. Diesen Moment werde ich nie vergessen.

STOL: Wenn Sie heute – 40 Jahre später – auf Peter Brugger zurückblicken: Welches Vermächtnis hat er für Südtirol hinterlassen?
Durnwalder: Peter Brugger war ein Politiker vom alten Schlag, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Er war geprägt von seinen Erfahrungen mit dem Faschismus und den Katakombenschulen sowie vom harten Leben in jener Zeit. Dennoch hat er immer versucht, das Bestmögliche daraus zu machen. Selbst seine Kriegsgefangenschaft nutzte er, um Russisch zu lernen. Gleichzeitig war er ein geselliger Mensch: Er konnte gut feiern, aber auch knallhart sein, wenn es nötig war. Peter Brugger war ein Glücksfall für die Südtiroler Politik.

stol

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