Denn so selbstverständlich, wie viele glauben, ist das nicht. Wenn man sich ansieht, wie viele Jugendliche jedes Jahr das Land verlassen und nicht mehr zurückkehren oder wie viele nach ihrem Studium im Ausland gar nicht erst in Erwägung ziehen, in ihre Heimat zurückzukehren, dann darf das nicht nur zum Nachdenken anregen – dann müssen alle Alarmglocken schrillen.
Die Jugend ist unsere Zukunft. Sie bestimmt, wie die Südtiroler Gesellschaft künftig aussieht, wie sie sich entwickelt und ob es weiterhin Wohlstand geben wird oder nicht. Dafür müssen den Jugendlichen jedoch die richtigen Rahmenbedingungen geboten werden: leistbarer Wohnraum, gute Arbeitsplätze, moderne Arbeitsbedingungen und ein leistungsgerechter Lohn.
Wir rühmen uns gerne damit, dass wir in Südtirol eine tolle Landschaft und viele Freizeitmöglichkeiten haben. Das stimmt. Aber mit einer tollen Landschaft und vielen Freizeitmöglichkeiten allein kann man keine Familie ernähren, wenn am Ende des Monats aufgrund horrender Miet- und Wohnungspreise sowie niedriger Löhne kaum etwas übrigbleibt.
Wir dürfen daher nicht aus allen Wolken fallen, wenn wir sehen, dass es viele Jugendliche ins Ausland zieht – und das nicht nur, weil sie etwas von der Welt sehen wollen, sondern schlicht und einfach, weil sie dort mehr verdienen, ihnen gute Jobs geboten werden und sie flexibel Arbeitsmodelle vorfinden.
Wir Südtiroler verharren gerne im „Mir sein mir“-Denken und im Motto: „Mir hoben des olm so gemocht und werden des olm so mochen.“ Das wird nicht mehr funktionieren. Wir sind nicht mehr die Insel der Seligen, die wir lange glaubten zu sein. Die heutige Jugend hat kein Problem mehr damit, ins Ausland zu gehen und dort zu bleiben.
Südtirol steht im Wettbewerb um junge Arbeitskräfte – und dieser Wettbewerb findet längst nicht mehr nur mit dem Trentino oder Nordtirol, sondern auf internationaler Ebene statt. Wir dürfen uns nicht länger darauf verlassen, dass Landschaft, Tradition und Lebensqualität allein ausreichen.
Wenn junge Menschen dort bleiben, wo sie Perspektiven, leistbaren Wohnraum und zeitgemäße Arbeitsbedingungen finden, dann ist das keine Frage der Identität, sondern der Realität. Wer diese Entwicklung ignoriert, riskiert, dass Südtirol zwar schön bleibt, aber zunehmend älter wird – und sich seine Zukunft anderswo abspielt.
arnold.sorg@athesia.it


Eine vierköpfige Familie in Deutschland benötigt im Durchschnitt etwa 3.500 bis 4.500 Euro netto pro Monat, um die Lebenshaltungskosten wie Miete, Lebensmittel, Energie und Mobilität zu decken.( wird in Südtirol nicht anders sein)
Weiters sagt die KI
Das durchschnittliche Brutto-Jahreseinkommen in Südtirol liegt laut aktuellen Daten für 2023 bei etwa 28.780 € pro Steuerpflichtigem.
In Bayern zum Vergleich(Quelle KI):
Monatliches Bruttoeinkommen: Im Durchschnitt verdienen vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer in Bayern rund 4.800 Euro brutto im Monat.
Wenn man jetzt von einem Alleinverdiener Ausgeht, der nicht irgendwie geerbt hat, fragt man sich schon wie man in Südtirol ohne Unterstützung leben will. Und man will ja auch nicht immer bei allem auf Unterstützung angewiesen sein 😄