Der frühere Präsident von Myanmar, Win Myint, wurde im Zuge der Massenamnestie der Militärjunta überraschend freigelassen. Er war nach dem Militärputsch 2021 gemeinsam mit Suu Kyi festgenommen worden. Später verurteilte ihn ein Gericht wegen angeblicher Vergehen zu mehr als neun Jahren Haft.
Die Junta nahm nach jahrzehntelanger Unterbrechung die Hinrichtungen in dem Land wieder auf. Menschenrechtsorganisationen zufolge ging sie dabei insbesondere gegen Dissidenten vor, die sich gegen den Putsch stellten. UNO-Angaben zufolge wurden im darauffolgenden Jahr mehr als 130 Menschen hingerichtet.
Mehr als 4300 Freilassungen
Die Umwandlung der Todesurteile wurde als Teil einer umfassenden Amnestie anlässlich des Thingyan-Neujahrsfests in Myanmar angekündigt. Laut einer Erklärung sollen mehr als 4300 Gefangene sowie 179 ausländische Staatsbürger freigelassen werden. Alle Haftstrafen von weniger als 40 Jahren sollen zudem um ein Sechstel verkürzt wurden. Im März 2023 waren bereits die Todesurteile von 38 Häftlingen aufgehoben worden.Vor dem berüchtigten Insein-Gefängnis in der größten Stadt Yangon (früher: Rangun) warteten Hunderte Angehörige auf Nachrichten über ihre inhaftierten Familienmitglieder. Unter den Entlassenen soll sich auch die preisgekrönte Dokumentarfilmerin Shin Daewe befinden, die 2024 zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, wie verschiedene Medien in dem Krisenland berichteten.
Der Militärputsch hatte einen Bürgerkrieg ausgelöst, der bis heute andauert. Nach fünf Jahren Militärherrschaft hatte die Junta im Dezember und Jänner eine Parlamentswahl organisiert und diese als Rückkehr zur Demokratie dargestellt. Anfang April hatte das vom Militär kontrollierte Parlament Armeechef Min Aung Hlaing zum Präsidenten gewählt. Kritiker und internationale Beobachter sehen darin jedoch keinen echten demokratischen Prozess, sondern eine Inszenierung zur Festigung der Militärmacht.

