Den endgültigen Ausschlag für die Einstellung der Sammlung habe jedoch eine seit Jahresbeginn geltende EU-Verordnung gegeben. Diese schreibt vor, dass auch beschädigte Textilien nicht mehr im Restmüll entsorgt werden dürfen. Stattdessen müssen sie getrennt gesammelt und recycelt werden – eine Aufgabe, die künftig von den Gemeinden übernommen werden muss. Die damit verbundenen höheren Kosten für Sammlung, Transport und Verwertung könne die Caritas nicht tragen, ohne diese an die öffentliche Hand weiterzugeben. „Doch wir sind kein Entsorgungsbetrieb. Unser Auftrag ist ein anderer“, stellt Mairhofer klar.
Ende einer Ära – ein Rückblick auf 51 Jahre gelebter Solidarität
Für die Verantwortlichen der Sammlung geht mit dem Rückzug ein bedeutendes Kapitel zu Ende. „Seit 1974 haben wir, mit nur wenigen Unterbrechungen, gebrauchte Kleidung, Schuhe, Taschen und Textilien gesammelt“, sagt Guido Osthoff, der die Aktion gemeinsam mit Brigitte Hofmann koordinierte. Der Erlös aus dem Verkauf wurde zur Finanzierung sozialer Caritas-Dienste verwendet – ein wichtiger Beitrag zur Unterstützung bedürftiger Menschen.In Spitzenjahren konnten bis zu 2.500 Tonnen an Textilien gesammelt und über 100.000 Euro an Spenden generiert werden. Doch bereits seit der Corona-Pandemie seien die Einnahmen rückläufig. Mit den neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen würde die Sammlung nun zur finanziellen Belastung für Bürger und Gemeinden – ein Szenario, das die Caritas nicht mittragen wolle.
Dank an Bevölkerung und Freiwillige
Zum Abschied spricht die Caritas ihren tiefen Dank aus: „Unser besonderer Dank gilt der Südtiroler Bevölkerung, den Gemeinden sowie den zahlreichen Freiwilligen, Pfarreien und Vereinen, die diese große Aktion über Jahrzehnte hinweg möglich gemacht haben“, so Mairhofer. Die Caritas hoffe auch künftig auf breite Unterstützung – in Form von bewussten Spenden oder persönlichem Engagement.„Solidarität bleibt wichtig, auch wenn sich ihre Ausdrucksformen verändern“, betont Mairhofer abschließend. Die Caritas wird sich weiterhin auf ihre Kernaufgaben konzentrieren: Beratung, Begleitung und konkrete Hilfe für Menschen in Not.

