Montag, 4. August 2025

„Rettung in letzter Sekunde“: Neues Netzwerk schützt Kitze vor dem Mähtod

Mit dem Ziel, Jungwild vor dem grausamen Tod durch Mähmaschinen zu bewahren, wurde am Montag das neue Netzwerk „Kitzrettung – Gemeinsam gegen den Mähtod“ offiziell vorgestellt. Landesrat Luis Walcher betonte bei der Pressekonferenz die tragende Rolle der ehrenamtlichen Helfer: „Ohne den vorbildhaften Einsatz Hunderter Freiwilliger wäre die Kitzrettung im heutigen Ausmaß nicht durchführbar.“

Die Rehkitze werden in Kisten an den Wiesenrand gebracht und wieder freigelassen, wenn keine Gefahr mehr droht. - Foto: © LPA/Südtiroler Jagdverband/Markus Gurschler

Bereits seit Jahren arbeiten Jägerinnen und Jäger gemeinsam mit Landwirten, Jagdaufsehern und Freiwilligen an der Kitzrettung. Ihr Ziel: Kitze vor dem Mähen aus den Wiesen zu retten, denn geraten sie unter die Mähmaschine, verenden sie meist qualvoll. Zudem können Tierkadaver das Futter verseuchen und das Vieh gefährden.

Das neu gegründete Netzwerk vereint 15 Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Jagd, Natur- und Tierschutz. Die Landesregierung unterstützt das Projekt mit einer offiziellen Schirmherrschaft, beschlossen am 15. Juli.

Rehkitze, aber auch Junghasen haben in den ersten Lebenswochen noch keinen Fluchtinstinkt und drücken sich bei Gefahr ganz dicht an den Boden, um nicht gesehen zu werden. Dieses Verhalten wird ihnen zum Verhängnis, wenn die Wiese gemäht wird. - Foto: © LPA/Archiv Südtiroler Jagdverband




Heuer 2318 Kitze gerettet

Allein in der Kitzrettungssaison 2025 konnten 2318 Kitze gerettet werden. Der Geschäftsführer des Südtiroler Jagdverbandes Benedikt Terzer lobte den Einsatz der Freiwilligen: „Die Jägerinnen und Jäger machen dies in ihrer Freizeit, weil sie sich für das Wild verantwortlich fühlen.“ Insgesamt 995 Personen durchkämmten in diesem Jahr in 105 Jagdrevieren mit großem Einsatz frühmorgens die Wiesen – über 12.800 ehrenamtliche Stunden kamen dabei zusammen.


Foto: © LPA/Südtiroler Jagdverband/Markus Gurschler



Auch Expertinnen und Experten verschiedener Institutionen kamen zu Wort. Gerlinde Wiedenhofer vom Landestierärztlichen Dienst erläuterte die negativen Auswirkungen von verwesenden Tierkadavern auf die Futterqualität. Tierärztekammer-Präsident Franz Hintner schilderte die Bedrohung durch die Heumahd aus tierärztlicher Sicht.


Drohnen mit Wärmebildtechnik erleichtern die Kitzrettung enorm. Immer mehr Jagdreviere kaufen die kostspielige Technik an. - Foto: © LPA/Archiv Südtiroler Jagdverband



Landesjägermeister Günther Rabensteiner erklärte, warum der Jagdverband das Netzwerk initiierte, während Daniel Gasser vom Südtiroler Bauernbund die enge Kooperation zwischen Landwirten und Jägern hervorhob. Hanspeter Staffler, Geschäftsführer des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz, beleuchtete die Bedeutung der Kitzrettung aus ökologischer Sicht. Auch die Stiftung Sparkasse unterstützt das Projekt – Präsident Stefan Pan verwies auf die gezielte Förderung von Drohnen zur Wildtierortung.

lpa/kn

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