Donnerstag, 26. Februar 2026

Ukraine und USA beraten in Genf über Wiederaufbau

Ungeachtet neuer schwerer russischer Luftangriffe haben Vertreter der Ukraine und der USA am Donnerstag in Genf Beratungen über den Wiederaufbau des Landes aufgenommen. Auf ukrainischer Seite führt Rustem Umerow, Leiter des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats, die Delegation an. Er trifft auf den US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner, den Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump.

Ukrainischer Delegationsleiter Rustem Umerow (Archivbild). - Foto: © APA/AFP / TETIANA DZHAFAROVA

Es gehe um Mechanismen zur wirtschaftlichen Unterstützung und zum Wiederaufbau der Ukraine, Instrumente zur Gewinnung von Investitionen und zur langfristigen Zusammenarbeit, schrieb Umjerow, auf sozialen Netzwerken.

Außerdem werden ihm zufolge Vorbereitungen für die nächste Verhandlungsrunde mit der Ukraine, Russland und den USA besprochen. Wichtig seien auch humanitäre Fragen. Die Ukraine hoffe auf mögliche Austausche. Bei dem Treffen vertreten laut Umjerow neben ihm auch der Fraktionsvorsitzende der Präsidentenpartei im Parlament, David Arachamija, Wirtschaftsminister Olexij Sobolew und dessen Stellvertreterin Daryna Martschak die Ukraine. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte das Treffen mit US-Vertretern am Mittwoch angekündigt.

Überschattet wurde das Treffen von neuerlichen massiven russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur der Ukraine. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha forderte angesichts der „sinnlosen“ Gewalt erneut verschärfte Sanktionen gegen Russland und mehr militärische Unterstützung. „Während die ganze Welt von Moskau ein Ende dieses sinnlosen Krieges fordert, setzt Putin auf mehr Terror, Angriffe und Aggression“, sagte Sybiha.

Der Wiederaufbau der Ukraine gilt als zentraler Bestandteil der umfassenderen Verhandlungen zur Beendigung des Krieges, der in dieser Woche in sein fünftes Jahr ging. Die Regierung in Kiew hofft, in den kommenden zehn Jahren rund 800 Milliarden Dollar an öffentlichen und privaten Mitteln zu mobilisieren. Eine am Montag veröffentlichte Schätzung der Weltbank beziffert die Kosten für den Wiederaufbau der Wirtschaft derzeit auf 588 Milliarden Dollar. Diese Berechnung basiert auf Daten bis Ende 2025.

Die diplomatischen Bemühungen um eine Friedenslösung stecken allerdings fest. Ukrainische und russische Unterhändler hatten sich in der vergangenen Woche ebenfalls in Genf zu einer dritten Runde unter US-Vermittlung getroffen, ohne jedoch einen Durchbruch zu erzielen. Hauptstreitpunkt bleibt der Gebietsanspruch: Russland fordert die Abtretung der verbleibenden 20 Prozent der Industrieregion Donezk, die noch unter ukrainischer Kontrolle stehen. Die Regierung in Kiew lehnt das kategorisch ab.

Hoffnung setzt die Ukraine auf direkte Gespräche auf höchster Ebene. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und US-Präsident Trump verständigten sich am Mittwoch in einem Telefonat darauf, dass die nächste Runde der trilateralen Gespräche mit Russland im März in ein Gipfeltreffen der Staatschefs münden soll. „Dies ist der einzige Weg, alle komplexen und sensiblen Probleme zu lösen und den Krieg endlich zu beenden“, erklärte Selenskyj nach dem Gespräch, an dem auch Witkoff und Kushner teilnahmen.

apa

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