Samstag, 25. Oktober 2025

Wenn der Landtag zur Social-Media-Arena wird

„Manche Landtagsabgeordnete nehmen im Wort ,Redebühne', die ihnen im Landtag geboten wird, das Wort ,Bühne' zu ernst.“ Ein Kommentar von STOL-Ressortleiter Arnold Sorg.

Arnold Sorg: „Sie beschädigen das Ansehen des Landtags – und damit der wichtigsten Institution der Demokratie in Südtirol.“ - Foto: © ÖA / jaidermartina

Stellen Sie sich vor, Sie sind Lehrer und planen mit Ihren Schülern einen Ausflug in den Südtiroler Landtag, um den Jugendlichen einen Einblick in die hohe Landespolitik zu geben.

Und dann das: persönliche Anfeindungen, Beleidigungen und kindisch-trotziges Verhalten. Nein, ich spreche hier nicht von den Schülern auf der Tribüne des Landtags, sondern von einigen Abgeordneten im Plenum.

Die große Mehrheit der Abgeordneten im Südtiroler Landtag verhält sich gesittet, diskutiert zwar hart, aber größtenteils sachlich.
Arnold Sorg


Vorweg: Die große Mehrheit der Abgeordneten im Südtiroler Landtag verhält sich gesittet, diskutiert zwar hart, aber größtenteils sachlich – so, wie man es sich von den gewählten Vertretern der Südtiroler Bürger erwarten darf. Immerhin sollen sie ein Vorbild sein – nicht nur für die Schüler auf der Tribüne, sondern für alle Südtiroler.

Manche Landtagsabgeordnete nehmen jedoch im Wort „Redebühne“, die ihnen im Landtag geboten wird, das Wort „Bühne“ zu ernst. Diesen Personen, deren Namen ich hier nicht nenne, um ihnen nicht eine weitere Bühne zu bieten, geht es – sagen wir es einmal gelinde – nicht immer um die Sache, über die gerade im Landtag diskutiert wird. Nein, ihnen geht es vor allem um die Außenwirkung – um den Effekt bei ihren „Fans“ in den sozialen Medien.

Den Applaus ihrer Fans auf Social Media bekommen sie – aber nur von jenen Zeitgenossen, die nicht um die Ecke denken können.
Arnold Sorg


Da werden Sprüche vom Stapel gelassen – wie etwa jener, dass die Abgeordneten der Mehrheit ohnehin nur an der Bar säßen und dann zu blöd seien, um richtig abzustimmen –, nur, um bei den eigenen Anhängern billigen Applaus zu ernten.

Den Applaus ihrer Fans auf Social Media bekommen sie auch – aber eben nur von jenen Zeitgenossen, die nicht um die Ecke denken können. Billiger Stammtisch-Applaus, sozusagen. Doch das alles geschieht auf Kosten einer sachlichen, zielorientierten Debatte, die eigentlich dazu dienen sollte, inhaltlich etwas weiterzubringen.

Sie beschädigen das Ansehen des Landtags – und damit der wichtigsten Institution der Demokratie in Südtirol.
Arnold Sorg


Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Man wird in den Landtag gewählt, um etwas für die Allgemeinheit zu bewegen, tut dann aber nichts anderes, als zu polemisieren und unzählige Videos auf TikTok oder Instagram zu stellen, um anschließend sagen zu können, man habe „denen da oben“ eins ausgewischt.

Für das, wofür sie gewählt wurden – nämlich sich für die Belange und Themen der Allgemeinheit einzusetzen –, tun sie hingegen nichts. Ganz im Gegenteil: Sie beschädigen das Ansehen des Landtags – und damit der wichtigsten Institution der Demokratie in Südtirol.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Wähler das Spiel der Populisten durchschauen – und bei den nächsten Wahlen auf jene setzen, die sich wirklich für die Bürger einsetzen. Und nicht nur auf deren billigen Stammtisch-Applaus aus sind.

arnold.sorg@athesia.it

stol

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